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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
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Eva Kaindl Dallaji 3872 Amaliendorf Waldried gasse 41

Tel. 02862/53158

Eva Kaindl- Dallaji

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Eva Kaindl- Dallaji spricht aus, was vieleAbsolventen der Keramikfachschule Stoobim Burgenland erfahren mußten: Manwird eigentlich immer besser. Man ent-wickelt sich ja selbst. Wenn ich nach vierJahren Keramikschule einen Betrieb auf-mache, dann kann ich nicht gleich eineBodenvase drehen. Das ist ein Lernprozeẞ.Wenn ich aber vier Jahre in einer Firma nurtöpfere, dann kann ichs wahrscheinlichschon."

Im Jahre 1962 in Amaliendorf geboren,bestand Eva Kaindl im Jahre 1977 die Auf-nahmeprüfung für die Stoober Keramik-fachschule. Im Jahre 1981 schloß sie dieseim Gesellenstand ab und war ausreichendmit Wissen ausgestattet, um sich noch imselben Jahr selbständig zu machen. Siegründete, gemeinsam mit ihrer SchwesterGertrude, die zwei Jahre vor ihr die StooberSchule beendet hatte, die Töpferei Kaindl.Die ideale Voraussetzung bot sich in derräumlichen Gemeinschaft mit dem Vater,Walter Kaindl. Er ist Holzschnitzer und teiltdie Werkstatt nun mit seiner Tochter Eva.Gertrude Kaindl hat mittlerweile eine eige-ne Familie gegründet, sich aus dem ge-meinschaftlichen Gewerbe abgemeldet undhilft nur noch bei größeren Aufträgen aus.Eva Kaindl, verheiratete Dallaji, ist Muttereiner Tochter und lebt im Familienverbandihres Elternhauses. Auf dem elterlichenGrundstück unweit des Holzhauses, in demdie Gemeinschaftswerkstatt untergebrachtist, steht ein Gartenhaus. Darin hat sie ihreWare in den unterschiedlichsten Formen,Farben und Dekoren ausgestellt.

Eva Kaindl- Dallaji verwendet Stoober Ton,von dem sie sich jedes Jahr für die durch-schnittliche Produktion eine Tonne liefern

läßt. Er läßt sich problemlos längere Zeit ineinem kühlen, feuchten Keller lagern. Siebrennt den Ton im Gasofen, der in einemseparierten, vom Freien aus zugänglichenRaum im Wohnhaus untergebracht ist. AlsGeschäftsfrau kennt sie seine Wirtschaft-lichkeit. Da Gas heute teurer ist als früher,kostet ein Brand derzeit etwa 600 Schillingbei einem Fassungsvermögen von 150 Liter.Ihre drei elektrischen Handdrehscheibendienen auch zum Abhalten von Kursen. Siebemüht sich, dünnwandig zu drehen undfindet es nicht notwendig, bei ihrer Wareden Boden abzudrehen. Zum Töpfern groß-formatiger Stücke fehlt vielleicht die Kraft-einen ausladenden Übertopf kann sie nichtauf der Töpferscheibe drehen, den model-liert sie händisch.

Mit ihren unterschiedlichen Formen möchtesie ihren Kunden viel Auswahlmöglichkeitbieten. Als Leistung ihres Gewerbebetrie-bes kann der Kunde nicht nur zwischenFormen und Maldekoren wählen, sondernauch anhand von Farbtäfelchen die Farbeder Fertigglasur wählen. Für Eva Kaindl-Dallaji ist es wichtig, daß die Qualität ihrerWare stimmt, daß der Ton dicht ist und dieGlasuren gut halten.

Die Töpferin verziert manche Stücke durchAppliktionen oder schneidet Muster in dieAußenwände in der spielerischen Art desKunsthandwerks der Jahrhundertwende. Sietöpfert auch Teddybären auf der Drehschei-be. Die einzelnen Körperteile( Kopf, Körper,Arme, Beine) werden nach dem Drehen inlederhartem Zustand zusammengefügt. DieTeddys sind braun glasiert, gedrehte Katzenweiß. Nur die Schleifen, die zur Zierde umden Hals ihrer Tiere gebunden werden, sindaus textilem Material!