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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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Gerlinde Kail 3493 Hadersdorf am Kamp Hauptplatz 25

Tel. 02735/5563

Gerlinde Kail

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Gerlinde Kail wurde im Jahre 1963 als Jung-ste unter sechs Geschwistern in Hadersdorfam Kamp geboren. Nach dem Hauptschul-abschluß im Jahre 1978 zog sie nach Wien,wo sie zwei Semester an der künstleri-schen Volkshochschule studierte. Dannstand für sie fest, daß sie die Töpfereierlernen will und sie wählte die Ausbildungan der vierjährigen Landesfachschule fürKeramik und Ofenbau in Stoob im Burgen-land. Nach der Gesellenprüfung kehrt siewieder zurück nach Hadersdorf und be-ginnt für Stefan Emmelmann in St.Leonhardam Hornerwald zu arbeiten. Was ihr anPraxis in Stoob fehlte, das erlernte sie beiStefan Emmelmann. Er unterweist sie auchim baukeramischen Bereich und als siesich in Hadersdorf selbständig macht,töpfert sie Gebrauchskeramik und erzeugtauch Kacheln.

In ihrem Heimatort Hadersdorf findetGerlinde Kail direkt am romantischenHauptplatz ein geeignetes Verkaufslokalmit angeschlossener Werkstatt. Der Platzmit dem romanischen Karner besteht ausHäusern mit gotischem Mauerkern, derenFassaden zum Großteil in der Barockzeiterneuert wurden. Gerlinde Kails Töpfer-werkstatt ist in einem Haus mit biedermei-erlicher Fassade untergebracht. NiedrigeGewölbe durchziehen das Erdgeschoß mitdem Verkaufsraum und in ihrer Werkstatthaben sich die Zierformen der Bieder-meierzeit in den Voluten der Stuckdeckeerhalten.

Gerlinde Kail verwendet für die Gefäßkera-

mik ausschließlich den ziegelrot brennen-den Stoober Ton. Sie arbeitet dünnwandigan der elektrischen Töpferscheibe und glät-tet die Außenseite ihrer Gefäße mit der

Klinge einer Spachtel. Sie beläßt jedemStück den flachen Standboden und drehtan der Außenseite eine Fuẞzone heraus.Auf den unglasierten Stand des Rohlingsmalt sie ihren Namenszug, denn sie meint:,, Früher hab' ich das immer eingeritzt: Ger-linde Kail Handarbeit. Das ist mühsam,doch weil es gewünscht wird, male ich esdrauf."

Die geglätteten Körper ihrer hohen Gefäß-formen charakterisiert ein Grat, der sowohlbei Vasen und Bechern die Wandung vonHals- bzw. Randbereich absetzt. Der wulst-förmige Grat in Höhe der Henkelangarnie-rung ist die reduzierte Form der starkenRingwülste, die beim Plutzer", der panno-nischen Enghalsflasche, die Verlängerungdes Henkels um den zylindrischen Halsbedeuten. Die Flaschen werden mit einerkeramischen Schraube verschlossen.Nach dem Retuchieren kommt die Ware inden Elektroofen und wird im Schrühbrandbei 950 Grad gebrannt. Danach folgt derAuftrag von Fertigglasuren, die für denBrennbereich von 1100 Grad, bei demStoober Irdenware sich verfestigt, geeignetsind. Die Glasurgebung erfolgt in diversenTechniken, die Gerlinde Kail manchmalauch an ein und demselben Objekt anwen-det. Zum einen in Spritztechnik und zumanderen durch Beschütten oder Bespren-gen mit Glasur. Mittels Klebestreifen, diesie vor dem Glasieren auf dem Rohling auf-bringt, erzeugt Gerlinde Kail streifenförmi-ge Dekore. Nach dem Glasieren werden dieKlebebänder abgenommen, sodaẞ der roteunglasierte Scherben nach dem Garbrandin farblichem und textürlichem Kontrast mitden glasierten Gefäßteilen hervortritt. IhreLieblingsfarbe ist Blau und dieses Blau