| 48
damals noch niederösterreichischen Ton,
einen rotbrennenden Irdenwareton aus derGegend von Korneuburg verdrehen. Als dieTongrube dort den Besitzer wechselte,mußten die Gorkes von heute auf morgeneinen anderen Ton suchen. Sie wählteneinen deutschen Steingutton aus Neustadtbei Coburg, der zu einem blendend weißenScherben brennt.
Die Eindrehformen und ihre Schablonenbewirken in Töpfermanier eine gerillteGefäßoberfläche. Stolz ist Erich Gorke aufdie Erfindung einer ovalen Eindrehform, mitder er flache und ovale Geschirrformen mitniedrigem Rand wie beispielsweise Plattenerzeugen kann. Auch die Henkel werden inselbst gefertigten Schablonen einheitlichgepreẞt und alle vorgeformten Teile mon-tiert oder bossiert, d.h. zu einer komplet-ten Gefäßform zusammensetzt.
Die eingedrehte Form wird schließlich ander Drehscheibe von Elisabeth Gorke über-arbeitet- ,, überdreht", wie man im Werk-stattalltag sagt. Dazu gehört auch dasZusammensetzen zweier tiefer Formen zueiner Kanne, die innen auf der Höhe desmaximalen Durchmessers verstrichen wird.Eine kleine Tülle wird ausgeformt und derbreite Bandhenkel zu einem„, Gorke- Hen-kel" gebogen. Darunter versteht ErichGorke das ohrenförmige Hochziehen einesHenkels vom Rand, wodurch sich einegefüllte Kanne leichter heben läßt undzudem weniger Platz im Regal braucht alseine Kanne mit einem weit ausladenenHenkel. Die Henkel sind am unteren Endeaufgelegt und entweder eingerollt odermittels Fingerdruckmulde angedrückt. ErichGorke entwirft sämtliche keramische Ge-brauchsware, baut die Gipsmodelle dazuund paẞt die, von ihm selbst gegossenenKerzen seiner Zierkeramik an. Trotz seinerBemühungen, Tonreste wieder töpferfähigzu machen, kann er den eingesumpften Tonnur in Gießtechnik verarbeiten. ElisabethGorke übernimmt in weiterer Folge nach
dem Rohbrand auf 1000 Grad das Glasierender Rohlinge. Sie verwendet Fertigglasurenund hat die Farbskala nach den vielen Jah-ren, in denen die dunkelbraune Farblinie sobegehrt war, auf helle und bunte Farbenumgestellt. Sie taucht die Gefäße vollstän-dig in einen Glasurenkübel und zieht nachdem Trocknen der weißen Glasur mit einemPinsel den Gefäßrand so dick nach, daßdicke Laufspuren in rosa oder dunkelblauvom Rand herabrinnen. Die Gorke'schenGefäße sind völlig mit Glasur bedeckt, keinStückchen Scherben ist nach dem Glasie-ren sichtbar. Um ein Verkleben der Gefäßeim Glasurbrand zu verhindern, wird jedesStück im Ofen auf einen selbst gefertigtenDreifuẞ, ein Brennhilfsmittel, gestellt, wasauf der fertig gebrannten Ware drei Löcherim Standboden hinterläßt. Deren scharfeKanten müssen noch abgeschliffen werdenund schließlich wird zur Kennzeichnung derTöpferware noch ein Aufkleber auf demglasierten Standboden angebracht.Erich und Elisabeth Gorke sind auf keinemTöpfermarkt zu finden. Hat er früher erfolg-reich Haushaltsmessen besucht, um mitgenügend Aufträgen für Serienanfertigun-gen heimzukehren, so kam dieser Absatz-weg in den letzten Jahren zum Erliegen.Derzeit begnügen Sie sich mit dem Verkaufim eigenen Schauraum und verlassen sichausschließlich auf Mundpropaganda, dieihre Kunden nach Gattmannsdorf lockt.