Mag.art. Elisabeth und Erich Gorke
3200 Obergrafendorf
Gattmannsdorf 10 Tel. 02747/2538
Elisabeth und Erich Gorke
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Im Jahre 1969 beschlossen Elisabeth undErich Gorke aufs Land zu ziehen und sichselbständig zu machen. In der kleinen Ort-schaft Gattmannsdorf bei St.Pölten fandensie einen Baukomplex, der sich ideal zueinem Wohnhaus samt angeschlossenerWerkstatt umbauen ließ. Erich Gorke, ge-boren 1942 in Wien, gelernter Ziseleur undGürtler, versuchte sich anfangs im Anti-quitätenhandel und tischlerte rustikale Ein-richungsgegenstände, bis- in einer Phasedes wirtschaftlichen Tiefpunkts, wie er esrückblickend nennt- seine Frau den Vor-schlag machte, doch Keramik zu erzeugen.Elisabeth Gorke, geboren 1939, hatte inWien an der Hochschule für AngewandteKunst bei Professor Obsieger Keramik stu-diert und nützte ihr künstlerisches Wissenfür den Aufbau des„ Töpferhofs Gorke".Erich Gorke fertigte dafür sämtliche Werk-stattausstattung selbst, angefangen vonder ersten Fußtöpferscheibe über die dreiElektroöfen bis zu den Eindrehformen fürden Ton und die Modelle in seiner Kerzen-gießerei.
Im ,, Töpferhof Gorke" wird ein anderesDrehverfahren für die Erzeugung vonTöpferware angewendet, nämlich dasEindrehen von Hohlgefäßen in Gipsmodel-le. In diesem Formungsverfahren werdendie Gefäßserien nicht mit den Händen aufder Drehscheibe getöpfert, sondern aufmaschinell bewegten Scheiben mittelsSchablonen in Gipsmodellen geformt. ErichGorke erklärt:„ Die Entstehung( der Ein-drehtechnik in seiner Firma, Anm.d.Verf.)war nicht wirtschaftlicher Natur. Wir habenda heraußen angefangen und die erstenKeramiken, die meine Frau damals ganzalleine noch gemacht hat, da waren halt
die Teller nicht gleich groß, und die Häferlnnicht gleich hoch und die ersten möglichenKunden haben gesagt:, Was soll denn dassein? Das ist ja nicht gleich groß! Und esglänzt ja nicht einmal!' Für meine Frau alsKünstlerin waren nur matte Glasuren inter-essant. Letzten Endes mußten wir uns an-passen, und so entstanden die ersten Gips-formen."
Um die Innenseite eines Gefäßes zu formenwird eine Holzschablone verwendet, die aneinem schwenkbaren Schablonenhalter be-festigt ist, mit dem sie gegen den Ton ge-drückt wird. Dabei wird der Schwenkarmso justiert, daß zwischen der Schabloneund der Eindrehform( dem Gipsmodell)ein Zwischenraum bleibt, der letztendlichdie Wandstärke des Gefäßes bestimmt.Der Gips saugt das Wasser des Tons auf,dadurch schwindet dieser und das Objektläßt sich leicht aus der Form lösen. DerScherben gerät beim Eindrehen gleich-mäßiger, dichter und ist spannungsfrei.Nicht beim Freidrehen, sondern nur mitGipsmodellen können Serien angefertigtwerden, deren Stücke identische Maßebesitzen. Die Keramikproduktion in Gips-modellen bedeutete also, daß das EhepaarGorke einen florierenden Gewerbebetriebaufbauen konnte, in dem sie mehrereMitarbeiter beschäftigten, die nichts vomTöpfern verstehen mußten. Auf einerWerkstattfläche von 361 m² sind ein Ton-lager, die Dreherei, das Rohwarenlager,die Glasiererei, der Brennraum, die Gips-modellbauerei, Kerzengießerei, der Ver-packungsraum, die Tischlerwerkstattu.a.m. untergebracht. In den besten Jahrenwurden mit 5 Angestellten 24 Tonnen Tonpro Jahr verarbeitet. Erich Gorke ließ