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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
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Fritz und Andrea Buchinger

Ton und Feuer 2054 Alberndorf im Pulkautal 148Tel: 02944/2810

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Fritz und Andrea Buchinger

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Hinter der Kirche von Alberndorf im Pulkau-tal steht der schmucke Pfarrhof, in demAndrea und Fritz Buchinger im Jahre 1987einen Schauraum samt Büro eingerichtethaben. Seit 1995 wohnen sie auch imPfarrhof. Die hohen Mauern um den dazu-gehörigen Garten zieren keramische Objek-te und die Aufschrift Ton und Feuer", alsHinweis auf die Werkstatt der Buchingers,die im ehemaligen Stallgebäude hinterdem Pfarrhof eingerichtet ist. Wo ehemalsKühe eingestellt waren, stehen heute zweiElektroöfen und ein selbstgebauter Gas-ofen mit einer Kapazität von 60 Kilowatt.Die gesamte Ausstattung der Werkstatt istfür eine größere Kapazität konzipiert undstammt eben aus einer Zeit, als Fritz undAndrea Buchinger noch 4 Tonnen Ton verar-beiteten und der Töpfermeister davonträumte, einmal zu expandieren und auchAngestellte beschäftigen zu können. Docher mußte erkennen: Ein guter Töpfer mußnoch lange kein guter Unternehmer sein!"und da in den letzten Jahren der Geschäfts-gang stetig nachließ, kann er die Werkstattderzeit nur noch im Nebenerwerb betrei-ben. Fritz Buchinger, geboren 1961 inHöbersbrunn bei Mistelbach im Weinvier-tel, nahm 1996 seinen ursprünglich zuersterlernten Beruf wieder auf. Fritz Buchingerist ausgebildeter Erzieher und erst im Altervon 21 Jahren entschied er sich, in Ergän-zung zu seiner Erzieherausbildung einHandwerk zu erlernen und fand in Tirolzufällig in einem Keramikbetrieb einenLehrplatz. Das Töpfern brachte er sichselbst bei und machte schließlich auchdie Meisterprüfung als Keramiker.Er bekommt die Stelle eines Erziehers ineinem Lehrlingsheim nicht zuletzt wegen

seiner Töpferkenntnisse.

Fritz Buchinger versteht sich nicht als lei-denschaftlicher Töpfer. Er interessiert sichfür technische Kniffe, überlegt Neuerungenund Verbesserungen an seiner Ware.Über die Töpferei sagt er: Man muß schonjede Handfertigkeit üben, viel Drehen. Unddas Meisterliche an einer Kanne ist, wennsie perfekt ist."

Fritz Buchinger hat eine Spindelscheibeüber ein Pedal mit Kupplungsfunktion miteinem Motor gekoppelt- eine zwar laute,aber zweckmäßige Verbesserung. EineAnregung eines deutschen Kollegen über-nahm er ganz überzeugt- seither er hateinen Spiegel schräg neben der Töpfer-scheibe aufgestellt, sodaß er beim Drehendas gesamte Stück in seiner Höhe über-blicken kann. Dadurch kann er theoretischaufrecht vor der Scheibe sitzen und nicht inder nach rechts gebeugten Körperhaltung,die so typisch beim Töpfern ist.

Der Töpfer formt keinen Standring aus, ermeint, der zusätzliche Arbeitsvorgang seiunrentabel. Da an der Herstellung seinergedrehten Stücke auch seine Frau einenwesentlichen Arbeitsbeitrag leistet, wirdjedes Stück mit den Anfangsbuchstabender beiden Vornamen signiert. Fritz Buchin-ger ritzt die Buchstaben AF händisch in denStandboden.

Früher wurde in der Werkstatt Stoober Tonverwendet, heute arbeiten Fritz und AndreaBuchinger mit Westerwälder Ton. In diesemFall ist Fritz Buchinger für das Drehen derWare zuständig, während seine Frau( sie istebenfalls eine ausgebildete Erzieherin) dasGlasieren und Brennen übernommen hat.In den vielen Jahren der Zusammenarbeiterwarb sie ein keramisches Wissen, das sie