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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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gewerbe leben. Die wichtigsten Kundenwohnen in der Umgebung und lernen dieTöpferwaren der Familie Brandl entwederdurch Mundpropaganda oder über einenStand auf den lokalen landwirtschaftlichenMessen kennen und schätzen.

Maria Luise Brandl kann viele ihrer Formenals traditionelle Hafnerware bezeichnen.Neben dem bekannten Plutzer, in dem derMost zur Feldarbeit mitgenommen wurde,dem Mostkrug und den Gugelhupfformenerinnert sich laut Maria Luise Brandl nurnoch die bäuerliche Bevölkerung imDonauraum an das, broadbodade Häferl",an das g'spitzte Sprudelhäferl" und andas Stüfihäferl". Das traditionelle Braun-geschirr der Werkstatt Brandl ziert nochheute ein um den Gefäßhals verlaufenderGrat, der ehemals dem Rastelbinder zumBefestigen des Drahtgeflechts für dieReparatur des keramischen Stückes diente.Zudem finden wir im Schulterbereich vonTöpfen, Krügen und Kannen mit braunerGlasur entweder eine aufgelegte Druck-muldenleiste oder eine umlaufende Wel-lenlinie, die Maria Luise Brandl mit einerKlinge in den nassen Ton ritzt, begleitetvon Rillen. Die Wulsthenkel, oft zudemmehrfach der Länge nach gerillt, werden inmeisterlicher Arbeit mit einer Druckmuldeam Gefäß befestigt und zudem der stehen-de Rand einer Schale oder Gugelhupfformdurch den Druck der Finger wellenförmiggekniffen. Für Maria Luise Brandl sind dasmultikulturelle historische Dekore, die ihrerVerkaufsware die Wertschätzung eines tra-ditionellen Gebrauchsgeschirrs gibt.Nicht zu vergessen: die braune Glasur be-deckt auch ein wichtiges Verkaufsproduktder Töpferei Brandl. Der Vexierkrug, auchunter seiner Inschrift ,, Sauf- wonnst-konnst❝ bekannt, ist ein Scherzkrug ,, mitbesonders konstruierter, meist stark durch-schnittener Randzone und kombinierterSaugvorrichtung von Henkel und rohrarti-gem Rand."( Werner Endres: Gefäße und

Formen, S.120). Der Brandlsche Scherzkrugmit den fünf Trinköffnungen verdankt seineExistenz einem Vorbild im niederöster-reichischen Landesmuseum. AdalbertBrandl kam nach langem Experimentierendem System des Scherztrinkens auf dieSchliche und heute beherrschen alleBrandls die aufwendigen Handgriffe.Den Glasurversatz für das Braungeschirrverriet den Brandls ein alter, oberöster-reichischer Töpfer. Nun wird das Rezept imHause Brandl wie ein Betriebsgeheimnisgehütet. Der Rohling wird zuerst mit einerEngobe aus Braunstein und Eisenoxid be-strichen, die dann wieder grob weggewischtwird. Übrig bleiben leichte Schlieren, diedurch ihre Ungleichmäßigkeit die Ober-fläche des einfärbigen Braungeschirrslebendiger erscheinen lassen. Die brauneGlasur, in die die Ware nun getaucht wird,besteht aus einer Mischung aus Zinkoxid,Kaolin und Braunstein. Zinkoxid ist ein wir-kungsvolles Fluẞmittel für oxidierend zubrennende Glasuren. Es wirkt trübend undverstärkt die Farbwirkung von Kupfer- undKobaltoxid.

Daneben finden wir im Sortiment der Töpfe-rei Brandl moderne Dekore auf Formenohne bewuẞten Bezug zur alten Hafner-ware. Auf einer Urlaubsreise wurde MargritPichler zum Motiv einer Landschaft mitObstbäumen inspiriert, die sie mit braunenund grünen Pinselstrichen auf eine weißeGlasur malt. Gemalt wird auch im traditio-nellen Streublumendekor in rosa Farbeauf weiße Glasur. Dunkle Glasuren werdenauf helle getupft oder in den Sprüngen vonweißem Kraquelée sichtbar. Der rote Scher-ben des Stoober Tons ist die Zierde der un-glasierten Rohlinge, die in Form von Dracu-las, Hexen, Eulen, Hähnen und Blumentöp-fen als skurrile Gartenkeramik verkauft wer-den. Am Sortiment erkennen wir die Vielfaltder Formen und Glasurtechniken, die jedesFamilienmitglied in die gemeinschaftlicheWerkstattproduktion einbringt.