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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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Maria Luise Brandl

3375 Krummnußbaum Anna stift 9

Tel. 02757/7777

Maria Luise Brandl

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Maria Luise Brandl ist Töpferin der zweitenGeneration. Ihr Vater, Adalbert Brandl, warder letzte Töpferlehrling der Firma Rath inKrummnußbaum, bevor die Firma den Töp-ferzweig auflieẞ und sich völlig der Fabrika-tion von Schamottewaren verschrieb. ImKeller des Elternhauses bewahrt die Fami-lie Brandl eine Fußdrehscheibe mit großemhölzernen Schwungrad auf. Auch großeTöpfe für Pflanzen und kleinere Schüsselnmit Lehmglasuren haben sich aus dem Sor-timent der Firma Rath erhalten. Umliegen-de ehemalige Lehmgruben am Abhang zumDonautal sind heute zum Teil aufgekauftund stillgelegt worden, im Sommer dienensie manchmal als schaurig- schöne Kulissefür moderne Happenings. Adalbert Brandlpflegte über die Felder zu gehen und Lehm-brocken zu sammeln, die er zu diversenLehmglasuren verarbeitete.

Eine Lehmglasur ist eine opake, einfachzusammengesetzte Glasur, die Lehm alsdominierenden Rohstoff enthält. Die Braun-färbung der Lehmglasuren ist auf den Eisen-oxidgehalt der Lehme zurückzuführen.

Ein berühmtes Beispiel ist die BunzlauerLehmglasur, die ohne weitere Zusätze bei1300 Grad gebrannt wurde. Maria LuiseBrandl besitzt einen ausladenden Topf,der den Verkaufsraum ziert und erklärt: Inallen Brauntönen haben wir die Lehmglasurgemacht. Der Lehm ist aufgeschlämmt wor-den wie ein Schlicker und wurde dann überdas Gefäß gegossen und so hoch gebrannt,daß er zu einer Glasur wurde. Der Topf hateinen Ton, der bei 1200, 1300 fest wird undeinen anderen( eben den Lehm, Anm.) alsGlasur, der bei 1200, 1300 Grad schmilzt."Da die Lehmglasuren ihres Vaters Zufalls-produkte waren, die Zusammensetzungdes Lehms nicht chemisch untersucht

wurde, um daraus ein zu überlieferndesRezept zusammenzustellen, wird das Braun-geschirr der Töpferei Brandl heute nichtmehr aus Lehmglasuren gemacht. Zudemerfordern Lehmglasuren hohe Brenntempe-raturen, die man in den heutigen Elektro-öfen nur schwer erreicht. Der Vater konnteseine lehmglasierte Töpferware damals inden hochbrennenden Tunnelöfen derSchamottefirma Rath mitbrennen lassen.Heute werden in der Töpferei Brandl derrote und der blaue Stoober Ton verarbeitetund bei Temperaturen von 1120 Gradgebrannt. Zum Gewerbebetrieb zählen imJahre 1997 außer Maria Luise Brandl ihrLebensgefährte, der als Töpfer angelerntwurde, ihre Schwester Margrit Pichler,ebenfalls Absolventin der Stoober Keramik-fachschule und deren Sohn Michael.Michael Pichler ist Töpfer der FamilieBrandl in der dritten Generation und hatzum Unterschied zur zweiten Generation imeigenen Betrieb gelernt. Als Maria LuiseBrandl, geboren 1962 in Krummnußbaum,im Jahre 1982 die Keramikfachschule inStoob beendet hatte und einen Arbeits-platz suchte, gleichzeitig die Schwestersamt Familie die gepachtete Töpferei inOberösterreich aufgeben wollte, beschloßder Vater, ein Haus zu bauen, in dem diejunge Generation wohnen, arbeiten undverkaufen würde können. Im Jahre 1983bezogen die Brandls das neue Haus, vonweitem an den großflächigen Fenstern fürden Schauraum zu erkennen. Im Meister-betrieb finden wir eine alte handwerklicheFamilienkonstellation: Wohnen, arbeitenund lehren, sowie verkaufen unter einemDach. Dadurch, daß auch hier, wie beiden meisten Töpfern, der Zwischenhandelwegfällt, können alle Brandls vom Töpfer-