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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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Albert Beneder 3925 Arbesbach Linzerstraße 3 Tel. 02813/466

Albert Beneder

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Als Inhaber eines Töpferbetriebes kommtAlbert Beneder interessanterweise oft mitden vielseitigen und ausgefallenen Erzeug-nissen der traditionellen Hafnerware inBerührung. Einmal brachte eine ältereBewohnerin eine kleine scheibenförmigeKeramikplatte in seine Werkstatt. Diesewar gebrochen und sollte vom Töpfer wie-der in Ordnung gebracht werden. DurchNachfragen konnte Albert Beneder die ihmunbekannte Funktion dieses Milchhup-fers" erfahren: Das gibt man in denMilchtopf hinein und wenn die Milch zuKochen anfangt, dann hört man die Platteso hupfen." Er übernahm die Idee undführt den Einsatz zum Milchkochen heutein seinem umfangreichen Sortiment.Von Kunden erfuhr er, was ein, kettanHäfen ist. Übersetzt handelt es sich umeinen Topf mit Bruchstelle, der durch einDrahtgeflecht gehalten wird und zumerneuten Flicken oder Nachbrennengebracht wurde. Albert Beneder rät beimNachbrennen unbedingt zu einer Innengla-sur, damit das Gefäß sich leicht reinigenläßt und unseren heutigen Hygienevorstel-lungen entspricht. Traditionell wurden dieirdenen bäuerlichen Gebrauchsgefäße imWaldviertel zumeist aus mühevoll aufberei-teten, also fein geschlämmten und vonallen Einschlüssen gereinigten Ziegeltonendünnwandig gedreht. Nach einem Brandbei ehemals niedrigen Temperaturen wurdeso ein Milchaufbewahrungsgefäß in alterTradition erst durch den Säuerungsvorgangdicht für Albert Beneder hygienisch gese-hen die reinste Bakterienzucht!"Sein Haus, in dem sich die Werkstatt, derVerkaufsraum und seine Privatwohnungbefinden, wurde im Jahre 1985 auf einer

Lehmgrube erbaut. Den Lehm zu verwen-den, kam wegen der starken Verunreini-gung nicht in Frage. Albert Beneder ver-wendet den roten Stoober Ton, lobt seineBildsamkeit und die befriedigendenBrennergebnisse und sieht die dunkelroteScherbenfarbe, die durch den hohen Eisen-gehalt entsteht, als Bereicherung der Far-benpalette seiner Töpferware. Zudembekommt seine Ware dadurch ein gewolltleicht rustikales Aussehen. Er findet dieVorbilder für seine Ware in der traditionel-len Hafnerware des Donauraumes. Das For-mengut im Detail entstand nach seinenpersönlichen Geschmacksvorstellungen.Alle Stücke sind bewußt starkwandiggedreht, um sie für den häufigen Gebrauchauszurüsten. Die Stücke haben einen fla-chen Stand, wobei der Boden nicht abge-dreht wird. Häferl, Kännchen und Kannensind kugelig gebaucht und über der ver-engten Halszone zu einem ausgestelltenRand erweitert. Auch knopfförmige Hand-haben für Laden gehören zum Sortiment.Die Farbe der Glasur sowie die Art derBemalung kann der Kunde individuellwählen.

Die Basisglasur der Werkstatt ist weiß undwird fertig gekauft. Nach eigenen Erfah-rungswerten hat Albert Beneder seine far-bigen Glasuren zusammengesetzt. Er ver-wendet für die glänzenden OberflächenQuarz, Kaolin und diverse Oxide zur Farb-gebung. Die weiße Glasur kann entwederdurch einen, den Rand umlaufenden blau-en Streifen verziert werden oder durchBesprengen und Beschütten mit buntenGlasuren. Ist eine matte Glasur erwünscht,mengt der Töpfer Wollastonit zu. Das istein natürlich vorkommendes Mineral, in