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Gefäßwand nach dem Hochdrehen. Ganzkonventionell und meisterlich legt sie Wertdarauf, alle flachen und hohen Stücke inlederhartem Zustand am Stand abzudrehenund drückt als Abschluß der Arbeit an derDrehscheibe ihren Töpferstempel in dieWare ein. Am Arbeitstisch wird auch jederHenkel mit der Hand gezogen.
Die Oberflächengestaltung von Keramik istdurch zwei Phänomene gekennzeichnet,die nur schwer detailgetreu gesteuert wer-den können: Farbwahl, Farbnuancen undFarbveränderungen einerseits, Schmelz-spuren, Texturen und haptische Strukturenandererseits, die aus dem Oberflächenauf-bau herrühren. Martina Aigner tauschteden Stoober Ton gegen WesterwälderSteinzeug, dessen Vorteil sie darin sieht,daß die hohen Brenntemperaturen esermöglichen, Glasuren nach eigenem Wis-sen und Idealen zusammenzustellen. Stein-zeugscherben sind härter und strapazfähi-ger und man kann bei matten Farbeffektenhaptisch weiche Oberflächen erzielen.Einem Glasurenbuch vertraut sie bewährteRezepte an, die ihre Gebrauchskeramik fürihre Kunden so charakteristisch machen.Als Tochter eines Steinbruchbesitzers mitSteinen vertraut, verarbeitet sie zum Bei-spiel das im Steinbruch abfallende Dolo-mitgesteinsmehl zu einer individuellenGlasur. Die Bedeutung der Beimengungdes Dolomits in Glasuren liegt in seinerEigenschaft als Hochtemperaturfluẞmittelund als Kristallbildner. Der Dolomit ist einCalcium- Magnesiumcarbonat, das sichwährend des Brandes in Calciumoxid( CaO)und Magnesiumoxid( MgO) zersetzt. Diesebeiden Oxide wirken erst bei Brenntempe-raturen über 1170 Grad C als Flußmittelund bilden die Silikate, die während desAbkühlens entglasen. Dick aufgetragenwirken Dolomitglasuren speckig bis fettig.Dolomit verwendet Martina Aigner als Roh-stoff in folgendem Glasurversatz für eine
Basaltglasur( bei einer Brenntemperatur
von 1260 Grad ist das Ergebnis eine matteGlasur in mittelbraunem Farbton, beisteigender Brenntemperatur wird dieOberfläche rötlichbraun und glänzend,die Angaben erfolgen in Gewichtsteilen):Basaltmehl60 Teile
Nephelin SyeniteDolomitgesteinsmehl
aus Hainfeld- HeugrabenTonmehl, weiß
40 Teile
20 Teile10 TeileAuf ihren fahnenlosen Formen mit weiter,flacher Mulde wirkt eine„ kantenflüchtige"Glasur auf den außen abgeschrägten Rän-dern sehr effektvoll. Abhängig vom Glasur-versatz, schmilzt dabei die Glasur an denRändern durch die Leichtflüssigkeit beihohen Brenntemperaturen zu einemanderen Farbton aus.
Martina Aigner findet derzeit nur in denAbendstunden Zeit zum Töpfern und meint:„ Die Arbeit an der Keramik ist sehr ruhig,das ist schön. Nur das Geräusch der Töp-ferscheibe, sonst keine Maschinen. Ichkomme den ganzen Tag nicht zum Denken,aber wenn ich dann beim Töpfern bin, dasentspannt." Ideal ist für die Töpferin, daßsie ihre Familie und ihren Arbeitsplatzunter einem Dach vereinen kann. In derUmgebung hat es sich langsam herumge-sprochen, daß sie ein ernstzunehmendesHandwerk betreibt, sodaß immer mehrKunden den Weg in ihr Haus finden, umnicht nur spezielle Geschenke anfertigenzu lassen, sondern auch ein etwas„ anderes" Gebrauchs- und Haushaltsge-schirr bei Martina Aigner zu kaufen.