Die Hafner lebten in bäuerlicher Umgebung in den Märkten Niederösterreichsund die Bauern waren neben Markt- und Stadtbewohnern die Hauptabnehmerihrer Ware. Das Hafnerhandwerk versorgte wohl nur den lokalen Markt( s.Gemäl-de von St.Stephan von Nordosten mit Geschirrmarkt von 1835. In: 850 JahreSt.Stephan. Symbol und Mitte in Wien. Ausstellungskatalog, Wien 1997, S.299).Soweit Vergleichszahlen vorhanden sind, läßt sich feststellen, daß die Zahl derMeister und Gesellen seit dem Ausgang des Mittelalters bis in die Mitte des19. Jahrhunderts ziemlich konstant geblieben ist. Aus den Handwerksordnungenkann man anhand der verlangten Meisterstücke ersehen, was für eine Palette anWaren ein Hafner erzeugte. Verlangt wurden im 17.Jahrhundert ein„ Knopf auf einTach mit einem Spiz"( vermutlich ein Firstziegel als Dachbekrönung), Häfen mitDeckel, Krüge und Kannen nach vorgeschriebenen Maẞinhalten sowie die Herstel-lung von einem einzigen Kachel bis zum ganzen Eckofen.( Otruba S.39) Der Hafnerwar damals eben noch Töpfer, Kachelerzeuger und Ofensetzer in einem.
Die Formenkontinuität der traditionellen Töpferware
Bis zum 14.Jahrhundert war die Hafnerware unglasiert und wurde danach inunserem Raum zum Teil als Schwarzware weitergeführt. Im 15. Jahrhundert ent-stand die farbig glasierte Hafnerware.( Schmidt S.71) Die Formen paẞten sich zujener Zeit dem ländlichen Bedarf und den ländlichen Gepflogenheiten an. DieGrundformen des Gebrauchsgeschirrs aus einfacher Irdenware in Niederöster-reich sind der Topf, der Krug und die Kanne. Dieser Formenkanon hält sich bis indas 20. Jahrhundert und umfaßt Kochgefäße, Vorratsgefäße und Gießgefäße fürMilch, Most, Wein und Bier.( Dexel, S.87) Speziell finden wir hier die breiten undniedrigen Töpfe(„ Rutscher") oder die hohen und gestreckten Henkel- und Dop-pelhenkeltöpfe, die Bügeltöpfe und Bügelkannen, die birnförmigen Krüge(„ Wein-krüger"), die Kannen mit Kleeblattmündung( teilweise auch mit Querbrett),Schnauze, Schnabel oder Ausgußrohr, Bratreine, Weitlinge und Gugelhupffor-men. Die niederösterreichischen Schüsseln setzen die Form der oberösterreichi-schen Knödelschüsseln fort. Sie können sehr tief sein, mit aufgestelltem, hohemRand, der auch leicht nach innen geneigt sein kann. Typische Dekore finden wir inEngobestreifen und wellenförmigen Ritzungen in Kammzugtechnik.( Bauer) Allediese Formen werden heute wieder von einem Teil der Gebrauchskeramikererzeugt. In Ermangelung der keramischen Ausbildung in traditionellen Töpferbe-trieben bedienen sich die zeitgenössischen Töpfer der keramischen Vorlagen ausihrer Umgebung oder gar musealer Gefäßformen. Im rezenten Formenkanon wer-den auch Vorratsgefäße und Schnittergefäße( s.Schmidt S.78) wie der„ Plutzer"( Enghalskrug oder-kanne) und der„ Paarhäfen“ trotz des Verlusts ihrer ursprüng-lichen Funktionen wiedererweckt( s.unten).
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