Zur Geschichte der Töpferei
Die primäre Aufgabe des Töpfers lag in der Herstellung von Gefäßen für Küche,Herd und Vorratskammer im Hauswerk oder Handwerk. Da keramisches Materialbruchempfindlich ist, mußte es wegen seiner geringen Lebensdauer bei Gebrauchin unendlichen Stückzahlen produziert werden. Die reichen Lehmablagerungen imDonauraum und im Südosten Niederösterreichs waren die Voraussetzung für dieEntwicklung des Hafner- und Töpferhandwerks. Aus der Übergangszeit von der kon-sumtiven zur produktiven Wirtschaft stammen die ersten Gefäße aus Ton, diesemder Natur entnommenen Material, das durch menschliche, seine Struktur verän-dernde Bearbeitung jede gewünschte Form annehmen und beibehalten kann. Form-gebend ist die menschliche Hand, ob es sich nun um freihändig aus dem KlumpenTon gedrückte, um in Formkörben hergestellte, aus Ton aufgebaute oder auf derTöpferscheibe gedrehte Platten und Gefäße handelt.( Cuvay, S.14)
In Mitteleuropa gibt es Keramikfunde seit der Jungsteinzeit. Aus der Ton-masse wurden Tonwülste durch Aufeinanderlegen zu einer Gefäßwand geformt,mit Holz, Stein oder Knochen geglättet, dann getrocknet und im Lehmofengebrannt. Die Kelten kannten bereits den Gebrauch der Töpferscheibe, doch erstnach den Römern und vor allem im Mittelalter verbreitete sich dieses Hand-werksgerät in ganz Mitteleuropa. Die Töpferscheibe ist eine Begleiterscheinunghöherer soziologischer Entwicklungen, denn zur selben Zeit baute man andern-orts die Keramik noch in der alten Platten- und Wulsttechnik auf. Die Töpferwerk-stätten lagen seit römischer Zeit an der Peripherie der Städte. Vor allem in mittel-alterlichen Städten, die weitgehend aus Holz gebaut waren, war die Brandgefahrgroß.
Das Töpferhandwerk in Niederösterreich
Wenn man nach den münzdatierten Keramikfunden schließen darf, dann warzu Ende des 11.Jahrhunderts schon eine gut entwickelte Geschirrhafnerei am Werk,durchwegs mit der Töpferscheibe ausgerüstet.( Schmidt S.71) Die älteste Hand-werksordnung für die Hafner in unserem Raum stammt aus Wien und zwar ausdem Jahre 1234. Die älteste niederösterreichische Handwerksordnung für die Haf-ner in St.Pölten von 1516 übernimmt die Artikel der Wiener Ordnung. Bis in das19.Jahrhundert sind viele niederösterreichische Städte und Märkte als Sitze vonHafnern überliefert. Die Hafnerordnungen regelten neben der Lehrlingsausbildungund den zünftischen Meisterpflichten den Gebrauch von Marken und Stempeln,die die Werkstätten zur Kennzeichnung auf Schwarzware anbringen mußten. EinHafnerhandwerk läßt sich in fast allen Städten in Niederösterreich nachweisen undwurde zahlenmäßig mit ein bis vier Meistern geregelt, wobei jeder Meister in derRegel nur einen Gesellen beschäftigte.( Otruba S.34)
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