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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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Niederösterreich gilt als das Land der Krügelma-cher". Diesen Ruf verdankt es der Volkskunde, die sichgegen Ende des 19. Jahrhunderts für die Produkte derWeißhafner zu interessieren und sie als Zeugnisse derVolkskunst zu sammeln beginnt. Die Kollektion alt-österreichischer Volksmajolika im SchloßmuseumGobelsburg liefert dafür den anschaulichen Beweis.

Hier knüpft die Sonderausstellung Mit demGefühl der Hände" an. Über Initiative der Direktion desÖsterreichischen Museums für Volkskunde erstellteFrau Claudia Peschel- Wacha eine Dokumentation überdie zeitgenössischen Töpfer in Niederösterreich. Eszeigt sich nämlich, daß in den musealen Sammlungenkaum Material aus dem 20. Jahrhundert zu finden ist.Auch die Keramikforschung sparte diesen Zeitraumweitgehend aus. In den letzten Jahren konnten zwarvon Günter Kohlprath wichtige Beiträge zur Weißhaf-nerei in Niederösterreich"( Diss., Wien 1982) beige-bracht oder von Hiltraud Ast( Wien- St.Johann i.P.,1991) die Rolle der Weißhafner als Wegbereiter für dieSteingut- Manufakturen beleuchtet werden, über dieEntwicklung der Töpferei nach 1918 fehlen weitgehendentsprechende Arbeiten. Hans- Hagen HottenrothsMonographie über die Scheibbser Keramik( seit 1923)stellt eine rühmliche Ausnahme dar( Scheibbs 1994).Die von der mineralogischen Abteilung des. Lan-desmuseums veranstaltete Ausstellung über die Nie-derösterreichische Keramik der Gegenwart"( Wien1954) würde zwar vom Titel her einen Überblick überdie zeitgenössische Keramikproduktion erwarten las-sen, wie der Katalog zeigt, wurden aber an Einzelbei-spielen nur die technologischen Möglichkeiten desheimischen Rohstoffes dargelegt, ähnlich wie GustavOtruba am Beispiel der Firmengeschichte von Wil-helmsburg die Entwicklung Vom Steingut zum Porzel-lan in Niederösterreich" aufzeigte( Wien 1966).

Die Ausstellung Mit dem Gefühl der Hände: zeit-genössische Töpfer in Niederösterreich" kann dieLücke nicht schließen. Sie möchte jedoch an Handeines zeitlichen Querschnittes einen Überblick überdie gegenwärtige Produktion von Gebrauchskeramikbieten. Ein wesentliches Auswahlkriterium bildetdabei die Verwendung der Töpferscheibe. Insgesamterbrachte die Recherche 23 Werkstätten, von denenfür die Ausstellung ein Sortiment ihrer Waren erbetenwurde. Es handelt sich also um Objekte, die noch nichtin Verwendung standen. Ihr Gebrauch erschließt sichjedoch aus der Form.

Das wesentliche Ergebnis dieses Projektes stelltder Katalog dar. Er beleuchtet die soziale und wirt-schaftliche Situation der Hersteller, ihren Ausbildungs-weg, ihre Lebenssituation und-philosophie. Auf dieseWeise wird der Katalog zu einem wichtigen Dokumenteiner Berufssparte, die ehemals in der traditionellenVolkskultur eine wichtige Rolle spielte.

Das Zustandekommen dieser Dokumentation istprimär Claudia Peschel- Wacha zu danken, die sich mitwissenschaftlicher Akribie und großem Enthusiasmusdieser Aufgabe widmete. Gleichzeitig gebührt aberauch allen Töpferinnen und Töpfern für die Bereit-schaft zur Auskunft und für die Beistellung der Objek-te großer Dank. Dieser gilt ebenso dem Museums-team, dem Photographen, dem Graphik- Atelier unddem Ausstellungsarchitekten, ohne deren Kooperationdas Werk nicht hätte gelingen können. Zu Dank ist dieDirektion weiters der Niederösterreichischen Landes-regierung für den Druckkostenbeitrag und dem Bun-desministerium für Unterricht und kulturelle Angele-genheiten für die Bewilligung der jährlichen Budget-mittel verpflichtet. Nicht zuletzt knüpft die Direktion andiese Ausstellung die Erwartung auf eine gedeihlicheZusammenarbeit mit der neuen Schloßverwaltung.

Dr. Franz GrieshoferDirektor des Österreichischen Museums für Volkskunde

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