Druckschrift 
Fastentuch und Kultfiguren : Sonderausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 22. März bis 12. Mai 1996
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

68

Manfred Koller

ÖZV L/ 99

aber auch die blauen und grünen Kupferpigmente( Azuritblau, Ma-lachitgrün und Grünspan). Für das Wiener Tuch von 1640 zeittypi-sche Pigmente sind Smalteblau, das eher seltene gelbe Arsensul-fid/ Auripigment und natürlicher Malachit für Grüngewänder. DerVerzicht auf reine Kupferfarben bedingt auch die gute Blau- Grünbestän-digkeit im Wiener Tuch, da diese sonst in Reaktion mit Feuchtigkeit denLeinenträger zerstören können( z.B. Szenen der Welterschaffung aufdem Tuch in Klagenfurt aus Maria Bichl). 23 Zeittypisch ist auch dieEinführung von dunklen Lasurfarben, die der Guachemalerei eigentlichwidersprechen( z.B. roter Mantel Christi in der Auferstehung).

Bemerkenswert ist, daß auf allen bisher restaurierten Fastentüchernkaum spätere Übermalungen vorhanden waren, was wohl mit ihrernur temporären Verwendung und mit der im ungerahmten Zustandschweren Manipulierbarkeit zusammenhängt. Denn nach Größe undmaltechnischen Voraussetzungen läßt sich nur eine Herstellung in amBoden liegendem Zustand vorstellen, da auf dem Lande nur Kirchendie entsprechenden Platzgrößen für eine derartige Malarbeit gebotenhaben können. Für eine Bemalung in senkrechtem Zustand wärenumfangreiche Spannrahmen und Stehgerüste notwendig gewesen, fürdie weder an den Bildrändern noch sonst Indizien vorhanden sind. Imliegenden Zustand dürften die vernähten Gewebebahnen mit einfa-chen Holzrahmen provisorisch gespannt worden sein, um beimTrocknen der Vorimprägnierung mit Leim oder Kleister und deswasserhältigen Farbauftrags ihre Form zu behalten.

Das Wiener Tuch läẞt an den abgeriebenen Stellen sehr schön dennächsten Arbeitsvorgang, die dreifache schwarze Rasterlinierung zurgleichförmigen Felderteilung und Festlegung der Bildformate, erken-nen. Anschließend wurden mit derselben Schwarzfarbe die wichtigstenFigurenformen gezeichnet( sogenannte Unterzeichnung wie in der Ta-felmalerei: z.B. bei Christus in der Vorhölle gut sichtbar). Dann füllteder Maler die Szenen in zwei- bis dreifachem Farbauftrag aus undführte erst am Schluß die rote Rahmung mit den Licht- und Schat-23 Die Pigmentanalysen des BDA- Labors zum Wiener Tuch von 1640 ergaben diefür Frühbarock üblichen Pigmente wie Smalteblau, natürlichen Malachit mitHolzkohle( für Dunkelgrün) oder rein( für türkise Töne), Minium- mit Zinnober-rot( Mantel Johannes) und Eisenoxidat mit Zinnober( ebenda Schattierung),seltenes Auripigment( Nimbus Christi) und für Inkarnate eine Mischung ausKreide/ Gips/ Zinnoberrot als Untermalung mit einer Auflage( Modellierung) vonMinium- und Zinnoberrot mit Gips und Bleiweiß.- Zur Schadensbehandlungvon Kupferfraẞ siehe Hoke( wie Anm. 21). S. 102 f. mit Abb.