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Fastentuch und Kultfiguren : Sonderausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 22. März bis 12. Mai 1996
Entstehung
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1996, Heft 1 Das Fastentuch von 1640. I. Bedeutung und Restaurierung

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mit Holzdeckel, die auf den Sakristeischränken liegen und für dieAufnahme mehrerer solcher dünner Bilderrollen gedient haben. Fürmehrhundertjährige bemalte Tücher darf aber heute diese Lagerformnicht mehr fortgesetzt werden, weshalb das Bundesdenkmalamt ge-meinsam mit der Pfarre in Garsten ein auch für andere ähnliche Fällevorbildliches Rollendepot in Verbindung mit einem fahrbaren Auf-hängegerüst entwickelt hat. 21

Maltechnisch verzichten die Fastentücher des Feldertyps wie dieschon genannten Tüchleinbilder der Gotik durchgehend auf Grundie-rung und sind in wässriger Deckfarbentechnik( Guache oder Tem-perabindemittel) direkt auf der vorgeleimten Leinwand gemalt. AlsBindemittel für die Malerei konnten chemische Analysen bisher Stärkeund tierischen Leim bestimmen. Für das Wiener Tuch konnte jetztStärkekleister als einseitige Vorimprägnierung und magere Leimtempe-ra als Maltechnik bestimmt werden. 22 Daraus erklären sich einerseits dieFrische guterhaltener Malereien( am besten die Tücher von Haimburg1504 oder Baldramsdorf 1555, beide in Kärnten), andererseits aber auchdie häufig starken Verluste und Abreibungen durch das jährliche Auf-und Abrollen und feuchte Lagerung.

Beim Wiener Fastentuch ist die oberste Bildzeile mit dem erstenMenschenpaar am wenigsten beschädigt und zeigt bis ins Detail diekräftige Deckfarbenmodellierung und die graphische Kontur- undBinnenzeichnung. Die hier verwendeten Farbpigmente entsprechender jeweils zeitabhängigen Malerpalette, für die seit der Gotik Blei-weiß, Beinschwarz, gelbe und rote Ocker allgemein verbreitet sind.Zeitlich begrenzte Pigmente sind das für die gotischen Tücher bedeut-same leuchtende Bleizinngelb( siehe Haimburger Tuch von 1504),21 Koller, M.: Zur Restaurierung großformatiger Leinwandbilder in Österreich-ein Überblick. In: Arbeitsheft 42. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege.München 1988, S. 29- 53, bes. S. 31 ff. Hoke, K.: Zur Restaurierung gotischerFastentücher. In: Restauratorenblätter 13. Wien 1992, S. 97-104( hier Ver-wechslung der Tücher von Millstatt und Maria Bichl). Höring, F.: BemalteWandbehänge als Restaurierproblem. Ebenda, S. 109–116.

22 Analysen von Dr. W. Kress von 1959 zum Fastentuch Veitsch- St. Lambrecht undseit 1976 zu weiteren Stücken vom naturwissenschaftlichen Labor des Bundes-denkmalamtes Wien, Dr. H. Paschinger, Dr. H. Richard im Archiv der BDA-Werkstätten. Der Analysebericht zum Wiener Fastentuch von 1640( W 8163)ergab reinen Stärkekleister als einseitige Vorimprägnierung und tierischen Leimmit etwas Ölzusatz als Bindemittel für die Farben. Damit ist die Maltechnik desWiener Tuches als Temperatechnik definiert. Dazu siehe Kühn u.a.( wieAnm. 20), S. 323( Abgrenzung gegen Guache) und passim.