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Fastentuch und Kultfiguren : Sonderausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 22. März bis 12. Mai 1996
Entstehung
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Manfred Koller

ÖZV L/ 99

Versuchungen, zwölf Darstellungen der österlichen Leidensgeschich-te( vom Einzug in Jerusalem bis zur Grablegung) und schließlichsechs Erlösungsthemen( von Abstieg in die Vorhölle, HimmelfahrtChristi, Pfingstwunder bis zur Himmelfahrt und Krönung Mariens).Die buchähnliche Lesbarkeit von links nach rechts wie in filmischerAbfolge ohne Texte entspricht dem seit der Romanik für hölzerneKirchendecken( Hildesheim, Zillis), bei gotischen Wandmalereizy-klen( z.B. Hochfeistritz oder Gerlamoos, Kärnten) oder in den Buchil-lustrationen der biblia paupera bewährten Prinzip narrativer Bilder-zählung in Form einer nach Format und Komposition gleichgerichte-ten Einzelbilderfolge. Die im größten erhaltenen Fastentuch des eu-ropäischen Mittelalters im Gurker Dom von 1458 konsequente Ge-genüberstellung von Altem und Neuem Testament( 100 Bildfelder!)ist schon beim zeitlich nächsten Tuch in der Stiftskirche von St.Lambrecht, Stmk.( aus Veitsch stammend) mit 56 Feldern in ähnlicherAufteilung wie das Wiener Stück zugunsten der Wunder Christi unddes Marienlebens verändert. Bei den nächstfolgenden Fastentücherndes 16. Jahrhunderts in Haimburg, Bad St. Leonhard, Steuerberg,Baldramsdorf, Maria Bichl, Millstatt und Lienz sind die Themen derWundertaten und des Marienlebens wohl unter dem Einfluß der Refor-mation ausgelassen.² Während aber die Tücher der Spätrenaissance inMillstatt 1593, Lienz 1598 und Bendern 1612 mit der Abfolge vonHimmelfahrt Christi- Pfingsten- Weltgericht( in Sternberg 1629 ohneWeltgericht) in seit dem 15. Jahrhundert üblicher Ikonographieschließen, folgen im Wiener Tuch von 1640 Himmelfahrt und KrönungMariä auf das Pfingstbild als neue marianische Schlußthemen entspre-chend dem erstarkten Marienkult der Gegenreformation.

Die jeweils 90 mal 78 cm großen Bildfelder sind von einem rotenRahmenraster von durchschnittlich 10 cm Breite umgeben. Von denRahmenkreuzungen ausgehend ist ein weißer, formal zeitgemäßerfloraler und perlstabartiger Rahmendekor aufgemalt. Der Übergangvon Bildfläche und Rahmung ist, wie seit dem 16. Jahrhundert üblich( z.B. Haimburg, Ktn, 1504), mit weißen bzw. schwarzen Randstrichenversehen, die eine fensterartige Beleuchtungssituation andeuten. Rea-listisch genommen wäre für das Wiener Tuch also die Aufhängungfür eine Beleuchtung von links zu interpretieren. Dies ist aber schondeshalb unwahrscheinlich, weil die meisten alten Kirchen geostet sind2 Sörries( wie Anm. 1), Kat. 1, 3, 7, 10 bis 15, 57 gibt für diese und das WienerTuch Kat. 20 vollständige Beschreibungen der gesamten Bilderfolgen.