1996, Heft 1
Kleider machen Heilige
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tuae vestibus exuantur et decentius pingentur et inuentur(?) hac statuaMariana renovata et exornata est Anno 1784. 25. Julii..." 32
Neue barocke Fassungen älterer Heiligenfiguren wurden zumeistals Übermalung der bestehenden vorgenommen und haben auf dieseWeise die Kontinuität bewahrt. Sie folgten häufig in Schnitt, Farbig-keit und Musterung( im 17. Jahrhundert Blumenmuster, im RokokoGoldstickerei: z.B. Steinmadonna des 14. Jahrhunderts in der Spitals-kirche St. Florian, OÖ, 1993- 95 freigelegt³³) gerne der jeweilsaktuellen Textilmode, die ihrerseits auch die geltenden Kleiderord-nungen zu respektieren hatte, die erst 1766 durch Maria Theresiaaufgehoben worden sind ³4. Es kommen aber auch Ummantelungengotischer Gnadenbilder in zeitgemäßen Stilformen mit Holz( z.B.Garsten und Schaunberg, OÖ oder Dormitz bei Nassereith, Tirol³5)oder mit leimgesteiften Stoffzutaten vor( z.B. Imbach bei Krems³6).Das Bekleiden von Heiligenfiguren hatte sich nach dem tridentini-schen Konzil an der geltenden kirchlichen Bilderlehre auszurichten:,, In den Bildern ist dreierlei zu beachten: sie bestehen aus einemmateriellen Stoff..., tragen in dem gewählten Stoff eine ihnen gege-bene Form und besitzen schließlich, in der Verbindung beider daseigentliche Bild, die Darstellung von etwas anderem mittels Ähnlich-keit Auf letztere richten wir unsere Gedanken..." als Mittler desGlaubens 37. Bei den im Zeitstil neu hergestellten bekleideten Heili-genfiguren des 17. und 18. Jahrhunderts fiel somit die Legitimationdurch die Tradition der alten Herkunft und Verehrung fort und galtennur die zuvor zitierten Regeln von Erzbischof Paleotti aus Bolognaaus dem Jahre 1582. Material und Form zielten dabei vorwiegend auflebensnahen Realismus des Aussehens bei oftmals hieratischer Stren-ge der Haltung und kostbarem Prunk von Kleidung und Schmuck.32 Koller, M.: Barockaltäre in Österreich. Technik, Fassung, Konservierung. In:Adelmann, A. u.a.: Der Altar des 18. Jahrhunderts. München 1979, S. 223-269,Abb. 5, 6.
33 Restauriert 1990- 1995 im Bundesdenkmalamt von Margaret Campidell. SieheKoller, M.: Hochgotische Monumentalskulpturen in barocken Metamorphosen.187. Wechselausstellung der Österr. Galerie. Wien 1995.
34 Loschek, I.: Reclams Mode- und Kostümlexikon. Stuttgart 1994, S. 288( Kleid18. Jahrhundert), S. 298 ff.( Kleiderordnungen), S. 358( Mode).
35 Mayrhofer( wie Anm. 12), Abb. S. 114.- Das eindrucksvolle Gnadenbild derMarienstatue im Hochaltar von Damüls in Vorarlberg, um 1730, wäre auf seinenalten Kern lohnend zu untersuchen.
36 Zykan( wie Anm. 31), S. 187 f.37 Belting( wie Anm. 17), S. 219.