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Fastentuch und Kultfiguren : Sonderausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 22. März bis 12. Mai 1996
Entstehung
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1996, Heft 1

Kleider machen Heilige

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Hans Belting deutet die auffallend häufigen historischen Rückbezügedieser barocken Bildpropaganda des 17. Jahrhunderts als Legitimationder Neueinrichtung von Kultstätten und ihrer Bilderverehrung- einemunterdrückten ,, Anachronismus des Bildkults" zum Trotz²5.

Die Kultbildproduktion des Barock vollzog sich auf zwei verschie-denen Wegen. Einerseits werden lokale ältere, meist gotische Kultfi-guren durch immer wieder modernisierte Farbfassungen und Über-tragungen in neuerrichtete Barockaltäre aktiviert( z.B. Hochaltar1618 aus der Stiftskirche Kremsmünster, jetzt Grünau im Almtal,,oder Hochaltar von Zell am Pettenfirst 1666 von Thomas Schwantha-ler26). Zum anderen hat man serienweise Kopien alter heimischer odervorbildlicher fremder Gnadenfiguren herstellen lassen. Dazu bemerk-te Kriss- Rettenbeck, daß bei Gnadenbildern die plastischen Kopienmeist den Originalzustand wiedergeben, während gedruckte odergemalte Wiedergaben nur dessen Verkleidung mit barockem Prunk-gewand darstellen( z. B. Madonnen von Mariazell, Alt- Ötting, Einsie-deln) 27. Bemerkenswert ist hier, daß von der bekanntesten bekleidetenGnadenstatue Österreichs, der Mariazeller Muttergottes, deren volks-tümliche gotische Schnitzerei und Fassung noch zu untersuchen wäre,nur rund 50 Kleider des Dreieckstypus aus barocker und nachba-rocker Zeit, aber nicht von früher erhalten sind. Sie werden derzeitinventarisiert. Bei der im Stil und der künstlerisch guten Qualität nachdem Altöttinger Gnadenbild 28 ähnlichen Madonnenstatue in der Wall-fahrtskirche von Kaltenbrunn im Kaunertal in Tirol konnte unter derSpätrokokobekleidung eine Barockfassung festgestellt und konser-viert werden( Kat. 1). Daran zeigt sich, daß Neufassung und Beklei-dung alternierend je nach Anlaß und vermögenden Stiftern einanderergänzt haben können. Zu erforschen wäre, ob nicht auch schöngefaßte Gnadenbilder von Fall zu Fall abwechselnd mit und ohneBekleidung gezeigt worden sind. Bei etlichen Figuren ist evident, daßihre Bekleidung erst in der Zeit nach dem josefinischen Verbot von

und Kunst. Wien 1970.

25 Belting( wie Anm. 17), S. 538 ff.

26 Pühringer- Zwanowetz, L.: Metamorphosen eines Kunstwerks. Der Hochaltar derPfarrkirche von Grünau im Almtal und seine Vorgeschichte im Raum der Stifts-kirche Kremsmünster. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte XXVII, 1974,S. 83 139. Bauböck, M.: Rieder Altarbauverträge vor 300 Jahren. In: 93.Jahresbericht des Bundesgymnasiums Ried im Innkreis 1963, S. 2-20.27 Kriss- Rettenbeck( wie Anm. 1), S. 87.

28 Wentzel( wie Anm. 1), Abb. 4, 5.