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Fastentuch und Kultfiguren : Sonderausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 22. März bis 12. Mai 1996
Entstehung
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Manfred Koller

ÖZV L/ 99

und Senken zulassen. Leider hat man den für die Aufstellung imBarockaltar der Ecce- Homo- Kapelle um 1710 fixierten Barockzu-stand als Ecce Homo mit textilem Spottmantel bei der Vorbereitungder 1976 im Salzburger Landesmuseum gezeigten Spätgotikausstel-lung rücksichtslos zerstört und die Figur wegen des aufgedecktenfragmentarischen Erstbestandes dann jahrelang deponiert. Das Bun-desdenkmalamt hat schließlich den verbliebenen Fragmentzustandgesichert, untersucht und soweit als nötig ergänzt sowie nach demSchnitt eines alten Spottmantels der barocken Ecce Homo- Statue inder Kapelle der Burg Hohenwerfen, Salzburg, den verlorenen Purpur-mantel erneuert( Kat. 2 im Anhang)". Der zeitlich und örtlich nächsteVerwandte des Rattenberger Schmerzensmannes ist der im Kern um1500 datierte Palmeselchristus von Thaur bei Innsbruck, dessen Zu-stand von Figur( bewegliche Gelenke ohne geschnitzten Körper) undBekleidung in bezug auf spätere Veränderungen noch genauer beur-teilt werden müßte¹².

Seit dem 15. Jahrhundert werden in der Künstlerpraxis ItaliensGliederpuppen( italien. manichino, französ. mannequin, niederländ.manneken) als Arbeitsbehelf beim Entwerfen eingeführt. Auf eineerste Erwähnung in Filaretes Architekturtraktat( um 1450/60 entstan-den) folgen Verwendungsnachweise bei Albrecht Dürer, Fra Bartolo-meo und anderen vor allem für Draperiestudien¹³. Aus der süddeut-schen Renaissance sind rund zehn künstlerisch herausragendeHartholzfiguren mit gedrechselten Gelenken erhalten, darunter einschönes Paar im Innsbrucker Museum Ferdinandeum 14. Eine noch-malige technische und funktionelle Steigerung der Beweglichkeitbedeutete die Konstruktion von Automatenfiguren, wie sie mit der11 Vgl. Ausstellungskatalog Spätgotik in Salzburg. Skulptur und Kunstgewerbe1400-1530. Salzburg 1976. Manche Ausstellungen und Kataloge beschränkendas wissenschaftliche und konservatorische Interesse zu Unrecht nur auf denursprünglichen Zustand als sogenanntes Original und tragen damit zur Gering-schätzung und Zerstörung künstlerisch und geschichtlich interessanter Verände-rungen aus anderen Epochen mit bei.

12 Mayrhofer, U.: Bekleidete Prozessionsfiguren in Tirol. Ein Beitrag zur Kult-Funktion von Bildern. In: Zeitschrift für Volkskunde NF, 8, 1985, S. 107- 120-nach Grass- Cornet, M.; Von Palmeseln und tanzenden Engeln. In: Grass, N.( Hg.): Ostern in Tirol( Schlernschriften 169). Innsbruck 1957, S. 178 ff.13 Meder, J.: Die Handzeichnung. Ihre Technik und Entwicklung. Wien 1922,S. 555 ff. Krafft und Brückner( wie Anm. 1).

14 Philippovich, E.: Kuriositäten- Antiquitäten. Braunschweig 1963, S. 369 ff.,Abb. 247.