Ronja Trischler und Matthias WieserHackathons als RitualeEinleitungHackathons sind ein verbreitetes Eventformat, das ursprünglich inder Tech-Szene zur Lösung von technischen Problemen entstandenist. Dabei ging es vor allem um Soft- oder/und Hardwareprobleme,die in einer Gruppe gemeinsam zeitlich und örtlich konzentriertgelöst werden sollten. Mittlerweile wird das Format von Firmen,Universitäten oder NGOs verwendet, um nicht nur technische, son-dern auch unternehmerische oder gesellschaftliche Probleme unter-schiedlicher Reichweite zu bearbeiten.1Das meint etwa Klimakrise,Corona-Pandemie oder auch Stadtentwicklung bzw. die eigene Stadt„lebenswerter zu machen“, wie im Fall eines Hackathons, den wir inweiterer Folge unter anderen betrachten werden.2In begrenzter Zeit,in der Regel freitags bis sonntags, werden hierbei Problemstellungenbearbeitet, die als„Challenges“ gekennzeichnet sind. Die Teilneh-menden finden sich dazu in Teams zusammen, die hinsichtlich derKompetenzen und Rollen(wie Programmieren, Designen, Präsentie-ren oder thematische Expertise) gemischt sind. In der Regel erarbei-ten sie technische Prototypen für Apps, die sie am Ende einer Juryvorstellen, die sie bewertet und prämiert. Die Sozial- und Kulturan-thropologin Sharon Zukin hat Hackathons als idealtypische Ritualedes neuen Geists des Kapitalismus bezeichnet.3In ihnen verdichtensich die Logik von projektförmiger, prekärer Arbeit in der New Eco-1Vgl. Nick Taylor, Loraine Clarke: Everybody’s Hacking. Participationand the Mainstreaming of Hackathons. In: CHI’18: Proceedings ofthe 2018 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems.Paper 172.2Im Zitat beziehen wir uns in anonymisierter Form auf die Homepageder Veranstaltungsreihe – im Verlauf des Beitrags insbesondere auf ihreOnlinevideos.3Vgl. Sharon Zukin: The Innovation Complex. Cities, Tech, and theNew Economy. Oxford 2020, S. 27–52.
Aufsatz
Hackathons als Rituale
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten