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Die deutsche Dichtung der Sudentenländer im Mittelalter
Entstehung
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ihm angetraut. Guta war die Mutter des letzten Przemysliden, Wenzels III., dernach einjähriger Herrschaft 1306 ermordet wurde. Mit ihm erlosch das przemysli-dische Haus. In den Adern der letzten Glieder floß durch die deutschen Mütter mehrdeutsches als slawisches Blut. Ihr Geschlecht war nach dem Aussterben der Hohen-staufen das älteste und reichste Fürstenhaus im Deutschen Reiche. Otacker hatte alsSohn einer hohenstaufischen Fürstin ein gutes Recht, auf die deutsche KaiserkroneAnsprüche zu erheben; das Deutschtum in seinen Landen wäre nicht schlecht dabeigefahren. Was das Schicksal ihm verweigerte, das gelang dem klugen LuxemburgerKarl IV., der die deutsche Kaiserwürde dauernd mit der böhmischen Königskronezu verbinden wußte.

Die deutsche Dichtung des Mittelalters war in ihrer Blütezeit eine hösische Kunst.Der Dichter brauchte einen fürstlichen Gönner, der ihm den Unterhalt gewährte unddie Mittel für die kostspielige Aufzeichnung seiner Dichtung beistellen konnte. Das Hof-gesinde bildete den Kreis der Zuhörerschaft, deren der Dichter oder Sänger bedurfte,um seine Werke zur Geltung zu bringen. Mancher deutsche Fürstenhof erstrahlte imGlanz der Poesie, vor allem der Hof der Landgrafen von Thüringen und der der Baben-berger in Wien. Sollte nun nicht der Hof des böhmischen Königs, der als der reichsteunter allen Fürsten des Reiches galt und der dem Deutschtum so verbunden war,ein Anziehungspunkt für Sänger und Dichter werden? Mußten die przemyslidischenFürsten, die wegen ihrer nichtdeutschen Abkunft nicht immer als vollwertig angesehenwurden, nicht selbst das Bestreben haben, auch in dieser Hinsicht es den deutschenStandesgenossen gleich, ja zuvor zu tun? Und so finden wir seit Wenzel I. deutscheDichter längere oder kürzere Zeit am Prager Hofe. Mancher von ihnen mag wohl diefeste Stellung eines Hofdichters inne gehabt haben, daneben fehlten aber auch dieGäste nicht, die sich nur vorübergehend aufhielten und der Freigebigkeit des König-lichen Haushaltes erfreuten.

Die Blüte der hösischen Dichtung war schon vorbei, als die Verhältnisse in Böhmenreiften. Österreich, früher der deutschen Siedlung erschlossen, hatte noch den vollenGlanz der Zeit erlebt; der Dichter des Nibelungenliedes unter den Epikern, Waltervon der Vogelweide unter den Minnesängern bilden seinen unsterblichen Ruhm. Eswar gerade die Zeit, in der die ostdeutsche Siedlung recht in Fluß kam und jenseitsder Saale und Elbe dem deutschen Volke neuen Boden gewann. Da ergab sich dieFrage, wo in diesen neuen Ländern zuerst deutsche Kunst und Dichtung erstehen würde.Und es ist bezeichnend, daß dies nicht in Schlesien oder Brandenburg geschah, sondernvielmehr in Böhmen und im preußischen Ordensland. Die Dichtung des deutschenOrdens bleibt aber naturgemäß auf die geistliche Dichtung und das gereimte Zeitbuchbeschränkt. In Böhmen konnte sich die Dichtung freier entfalten und alle Gattungenreich entwickeln. So dürfen wir für die sudetendeutsche Dichtung des Mittelaltersden Ruhm beanspruchen, die führende Rolle in der ostdeutschen Dichtung gespieltzu haben.

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