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Gellerts Fabeln und Erzählungen
Entstehung
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dem letzten Falle nicht, dafs Gellert diese Fabel aus Boccalini selbst kennen gelernt hätte; es istbekannt, wie stark die Einwirkung Boccalinis auf die deutsche Litteratur des 17. Jahrhundertswar. Aber einmal war Boccalinis Einfluss im 18. Jahrhundert, namentlich zu Gellerts Zeit, so gutwie erloschen, und dann haben wir allen Grund zu der Annahme, dafs Gellert, wenn er Boccalinijemals zur Hand genommen hat, von dessen Art durchaus abgestofsen worden wäre. Wir wissen,wie scharf und ungünstig Gellert sich über die Fabeln Johann Valentin Andreäs ausgesprochenhat, und dieser hat sich in der Form durchaus an Boccalini angelehnt. Daher werden wir anzu-nehmen haben, dafs auch bei dieser Fabel der Spectator den Vermittler abgegeben hat.

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War also, wie sich aus den soeben mitgeteilten Nachweisen ergiebt, die Wirkung derenglischen Wochenschriften für Gellerts Fabeldichtung weit bedeutender, als man nach den vonihm selbst gemachten Angaben schliefsen sollte, so erhebt sich die Frage, ob diese Litteratur-gattung aufser dem unmittelbaren Einfluss auch noch einen mittelbaren auf Gellert ausgeübt hat.Man wird sehr geneigt sein, diese Frage zu bejahen. Wenn man die in den Belustigungen ver-öffentlichten Fabeln mit denen seiner reiferen Jahre vergleicht, so wird man von dem ab-weichenden poetischen Stil abgesehen als Hauptunterschied zwischen diesen verschiedenenZeiten entstammenden Arbeiten festzustellen haben, dafs in den älteren Erzählungen noch diesorgfältige Lebensbeobachtung fehlt, die uns die späteren Dichtungen dieser Art so anziehend macht.Vielleicht scheint es nun manchem Beurteiler unnötig, für diesen grofsen Fortschritt nach einer litte-rarischen Quelle zu suchen, und gewifs wird Niemand bestreiten, dafs die zunehmende Reife und diereichere Lebenserfahrung als wichtige Faktoren für die weitere Ausbildung der dichterischen KräfteGellerts gerade nach dieser Richtung hin zu betrachten sind. Indessen vollzieht sich doch dieseEntwicklung in so verhältnismäfsig kurzer Zeit, dafs die Annahme auch einer äufseren Anregungdurchaus gerechtfertigt erscheint. Mustert man nun die litterarischen Quellen, die dafür in Be-tracht kommen könnten, so hatten La Fontaine und La Motte ebenso wenig wie die übrigen aus-ländischen und älteren deutschen Fabeldichter, die Gellert kannte, ihm in dieser Beziehnng ver-hältnismäfsig wenig zu bieten. Auch La Bruyère, dessen Einfluss auf Gellert sonst grofs war,hat in diesem Falle wohl kaum eine entscheidende Wirkung auf Gellert ausgeübt, da er seineCharakterbilder absichtlich einseitig auf einen einzigen Charakterzug zn gründen pflegt; wie Gellertarbeitete, wo er unter seinem Einflusse stand, kann man an den den moralischen Vorlesungenbeigegebenen Charakteren sehen, wo die genaue Beobachtung des Lebens und scheinbar un-wichtiger, thatsächlich aber die Lebenswahrheit verstärkender kleiner Einzelzüge durchaus hinterder lehrhaften Absicht zurücktritt. Eine weit gröfsere Anregung, als sie ihm La Bruyère jemalsgewähren konnte, mufste Gellert aus den englischen Wochenschriften zukommen. Die Lebens-bilder, wie sie der Tatler und Spectator entwarfen, verfolgten scheinbar keinen weiteren Zweck,als das Leben mit allen seinen Einzelheiten, wichtigen und unwichtigen, getreulich wiederzuspiegeln.Eine lehrhafte Absicht war zwar vorhanden, aber nirgends trat sie aufdringlich hervor, überallscheint die Schilderung des wirklichen Lebens bei diesen Charakteristiken und Skizzen nur Selbst-zweck zu sein. Man braucht nur einige der Charakterbilder, namentlich des Tatlers, zu lesen undsie mit Gellertschen Erzählungen zusammenzuhalten, um die auffallende Verwandtschaft mit Händenzu greifen. Aber ein Zusammenhang zwischen der weiteren Entwicklung der erzählenden DichtungGellerts und den englischen Wochenschriften ist auch äufserlich sehr wahrscheinlich, denn geradein die Jahre, in denen die entscheidende Umwandlung seiner Fabelpoesie eintrat, fällt, wie wir

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