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Mythologische Streifzüge : Vortrag gehalten am 8. Dezember 1900
Entstehung
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hervorgegangen aus der kindlich naiven Anschauung der Natur. Eine andere Art derSagen ist die aus der Lust am Fabulieren hervorgegangene, die ja im Morgenlande Glossar ::: zum Glossareintrag  Morgenlandenoch bis auf diesen Tag heimisch ist und das wundervolle Werk von 1001 Nachtgeschaffen hat. Zu ihr möchte ich zum grössten Teile die Dädalussage rechnen,ebenso die Sage vom goldenen Fliess. Ferner finden wir hier die ganz eigenartigeastronomische Sage, aus einfacher Wissenschaft allmählich im Volksmunde zu Wundernund Heldenthaten umgestaltet. Die Babylonier beobachteten die Sterne, kontrolliertenden Lauf der Planeten, bestimmten das Eintreten der Jahreszeiten nach dem Verhältnisder Sonne zu dem Fixsternhimmel. Sie teilten die Ekliptik in zwölf gleiche Teile,denen sie Namen nach äusserlichen, irdischen Kennzeichen gaben. Die Bezeichnungdes ersten Hauses, des Bockes, des zweiten, des Stieres, ergeben sich leicht von selbst.Die Zwillinge bezeichnen die Zeit des Lammens, das Zeichen des Krebses die Zeit, inder die Sonne auf ihrer ekliptischen Bahn zurückgeht, das Zeichen des Löwen die Zeitder alles mordenden Hitze u. s. w. Die Planeten ausser Sonne und Mond bezeichnetensie einfach mit dem Namen ihrer Götter. Morgen- und Abendstern bezeichneten sieals Brüder, Prometheus und Epimetheus, Prometheus, der die Menschen zum Lebenerweckt, Epimetheus, der sie zur Ruhe bettet. Welche Fülle von Sagen hat sich ausdiesen Bezeichnungen, denen noch die Namen der Wochentage ihren Ursprungverdanken, entwickelt. Ich will nur an die Wanderungen des Melkart, die imgriechischen in der Heraklessage enthalten sind, erinnern. An und für sich hatten dieBezeichnungen nicht mehr mythologischen Werth, als wenn heutzutage die Astronomeneinen neuentdeckten Planeten Vesta, oder wir ein Kriegsschiff Wodan nennen. Aberdie Phantasie des Volkes bevölkerte die Häuser des Himmels mit Ungeheuern, denender wandernde Sonnengott furchtbare Kämpfe zu liefern hatte, sie gab den Planeten undihren Tagen den Charakter des Gottes, dessen Namen sie führten. Noch vor wenigenTagen hörte ich Bedenken dagegen äussern, dass man eine Stellung am Montage, demTage des Mondes, des unheimlichen Gottes der Nacht, antrete. Auch von dieser Artvon Sagen werden wir vielleicht selbständige Beispiele in unserer heimischenMythologie finden. Endlich ergiebt sich eine vierte Art aus den philosophischenSpeculationen kluger Männer, die, um ihre Lehren anschaulich und dann verständlichzu machen, dieselben in Bildern und Gleichnissen gaben, wie ja überhaupt damals dieSprache noch nicht abstrakte Begriffe klar gebildet hatte, so dass notwendiger WeiseWort und Bild in einander fallen mussten. Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.Diese beiden Begriffe sind das Fundament alles Irdischen, ohne sie lässt sich nichtsdenken. Daher sind sie das erste Götterpaar. Es kommt Leben und Bewegung in dietote Welt durch Zeit und Raum, aus deren Vereinigung alles Lebendige entsteht, abervon der Zeit wieder verschlungen wird. Daher die Kinder des ersten GötterpaaresKronos und Rhea, Kronos, der seine eigenen Kinder verschlingt. Von Zeit und Raumaus gestaltet sich das bunte Leben der Kräfte der Luft, der Erde und des Wassers.Es sind die Götter der Jahreszeiten, von Tag und Nacht, von Winter und Sommer,Wind und Wetter, die wiederum die sterblichen Geschöpfe auf Erden ins Leben rufenund zum Hades senden, das junge Göttergeschlecht des Zeus, das die Menschen