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über die Zusammenhänge in der gesammten Mythen- und Sagenmasse der indogermanischenVölkerfamilie, sowie über das Mass und die Tragweite der von nichtindogermanischen Cul-turvölkern auf die indogermanische Mythen- und Sagenwelt ausgeübten und vorkommendenFalles in Anschlag zu bringenden geistigen Einflüsse. Und nicht minder verschieden ge-staltete sich dementsprechend bisher unter den Mythenforschern auch die Auffassung vomWesen und der Bedeutung der der Nibelungensage zu Grunde liegenden Mythenelemente.Wenn nun in Vorliegendem dennoch ein neuer kritischer Versuch über die mythischenGrundbestandtheile der Nibelungensage sich anzukündigen wagt, so möchte ich das nichtso verstanden wissen, als traute ich mir zu, diese von so namhaften und theilweise nochunüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten gedrückte, fast unabsehliche Aufgabe nun wirk-lich zu lösen. Daran habe ich von Anfang an nicht gedacht; seitdem ich aber mit demGegenstand beschäftigt bin, ist mir auch immer klarer geworden, dass eine abschliessendeLösung erstlich von einem Einzelnen gar nicht zu erwarten ist, zweitens, dass sie überhauptnoch gar nicht so bald möglich sein wird. Ich begnüge mich vielmehr mit dem Wunsche,zur Klärung der Ansichten und zu weiterer Verständigung auf diesem so streitigen Forschungs-gebiete, als einer unter vielen, nach meinem bescheidenen Theile etwas mit beitragenzu helfen.
In dem Folgenden aber sollen dem für eine spätere Veröffentlichung bestimmtenVersuche, der bei der Weitschichtigkeit des Gegenstandes und der Menge des dabei zu be-handelnden Details sich ohnehin in den engen Rahmen einer Programmabhandlung nichtfassen lässt, mit dem ich aber auch überhaupt gegenwärtig noch nicht abschliessen möchte,nur einige kurze Vorbemerkungen vorausgehen, die dazu bestimmt sind, den Standpunktnoch etwas genauer zu bezeichnen, welchen die Untersuchung hier nach meinem Dafürhaltenihrem Object gegenüber einzunehmen hat, und, wenn der Raum es gestattet, auf die Fragenwenigstens hinzudeuten, auf deren Beantwortung es gegenwärtig hauptsächlich anzukommenscheint. Und zwar werden für's Erste zu diesem Zweck einige das Wesen der Sage imAllgemeinen betreffende Punkte zu berühren sein, deren Auffassung für die auf das mythischeElement der Sage ausgehende Untersuchung von unverkennbarer principieller Bedeutungist, und über welche daher auch zuvörderst eine Verständigung besonders zu wünschensein möchte.
Zunächst darf wohl gefragt werden, was man überhaupt unter den mythischenGrundbestandtheilen der Sage verstehen solle; und die Frage verdient auch in der Thatbesonders darum eine Antwort, weil zwei wesentlich verschiedene Arten von Bestandtheilen,die man allgemein und mit Recht als mythische bezeichnet, zu unterscheiden sind, und esgerade hier von Wichtigkeit ist, dass dieselben genau auseinander gehalten werden. Manwird zuerst, wenn vom Mythischen in der Nibelungensage die Rede ist, natürlich an allesdas denken, was darin überhaupt mythischen Charakter hat und diesen unmittelbar zu er-kennen giebt, also beispielsweise an Riesen und Zwerge, Wassernixe, Drachen, und wiealle die mythischen Phantasiegebilde heissen, die Wald und Fluren auch in christlicher Zeitnoch bevölkerten und auf einen noch fortbestehenden näheren oder entfernteren geistigenZusammenhang des sagenbildenden Zeitalters mit dem mythischen Vorstellungskreise derheidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Vorzeit hinweisen. Namentlich wird man aber an die vielfachen und weit ent-schiedener vorherrschenden mythischen Bezüge in der alterthümlicheren nordischen Gestaltder Sage denken, die in der Zeit ihrer Ausbildung noch ganz auf heidnischem Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischem Boden stand.Das sind diejenigen mythischen Elemente, die in der Sage selbst noch mythisch aufzufassensind und ihre von Haus aus ihnen zukommende mythische Rolle darin spielen, wenn auch ihrursprünglicher mythischer Charakter natürlich nicht immer mit gleicher Treue festgehaltenwird. Diese beweisen an sich noch nichts für den mythischen Ursprung der Sage, odergenauer gesagt, wenigstens ihr vereinzeltes Auftreten beweist nichts, weil sie überall inder Sagendichtung Eingang finden und so zu sagen zum poetischen Apparat derselben gehören.Wenn aber hier von mythischen Grundbestandtheilen der Sage gesprochen wird,so sind damit überhaupt nicht vereinzelte mythische Züge oder das Vorkommen solcher