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mehrt haben. Nun haben aber neuere Untersuchungen ergeben, dass Boner zwischen 1324-1349, vielleicht sogar noch vor 1340, seinen Edelstein verfasst hat, also bedeutend früher,als Lessing annahm, nach dem( S. 357) er nicht früher als in der letzten Hälfte des 14.Jahrhunderts gelebt hat. Daher werden H. v. Trimberg und Boner wie für die meistenihrer übrigen, so auch für diese Fabel vom Prälaten und den Birnen eine gemeinsamelateinische Quelle gehabt haben. Uebrigens weicht Bon. in seiner Erzählung ein wenig vonder des Renners ab: der junge Priester ist des Bischofs vettern kind, nicht seiner SchwesterSohn; dann erbietet sich der Jüngling selbst auf des Bischofs Frage dazu, die Birnen zubehüten, während im Renner die andern Leute den Bischof auf seinen Verwandten auf-merksam machen; ferner ist es bei Boner ein wîser man, nicht ein geistlich man, der überdas Verhalten des Bischofs seinen Unwillen äussert. Von den 1000 Seelen und 60 Birnenhat Boner ebenfalls nichts, dagegen am Schluss einen Vergleich mit dem Wolf als Hirtender Schafe, was in der Nutzanwendung noch weiter ausgeführt wird.
Bon. 53( von einem beschinten esel,) hat Brant unter seinen Fabeln am Schluss seinerAusgabe von Steinhöwels Aesop gleichfalls, mit der Ueberschrift de muliere excoriante asinum.
Bon. 89( von einem esel und drin bruodern) erwähnt Brant, Narrenschiff 18, 33 deresel starb und wart nie satt, der all tag nuwe herren hat. In den Anmerkungen S. 333 weistZarncke auf Boners Fabel hin. Ebenso findet sie sich in Paulis Sch. n. E. als N. 575.
Was endlich Bon. 4. Fabel anbelangt, von einem Baum, dessen süsse Früchte nie-mandem zu Teil werden, der nicht zuvor die bittern Wurzeln gekostet hat, so ist die Aehn-lichkeit mit Bon. 2( von einem affen und von einer nu3) sehr gross. Da ausserdem die Er-zählung der Fabel selbst nur 19 Verse, die Betrachtung 35 einnimmt, so liegt es nahe anzu-nehmen, dass Bon. diese Fabel aus jener selbst abgeleitet hat, um sie noch nach einer andernSeite hin auszudeuten.
Ueber die Quellen der übrigen Fabeln vermag ich nichts anzugeben. In den bereitserwähnten Fabelsammlungen u. dergl., sowie in folgenden Büchern: Directorium humanaevitae des Joh. v. Capua, Specimen sapientiae Indorum veterum aus dem Griech. des SimeonSethi lat. von Petrus Possinus in Georgii Pachymeris Historiae rerum a Michaele Palaeologogestarum, Historia septem sapientum, Cyrilli Speculum sapientiae, Poésies inédites par E. DuMéril, Steinhöwels Aesop herausg. v. H. Oesterley Tübingen 1873, Novus Avianus herausg.v. Grosse, Königsberg i. Pr. 1868( Programm des kgl. Friedrichs- Collegiums), ist, soweitich sehe, etwas entsprechendes nicht enthalten. Nach Goedeke, D. D. i. M. A. S. 652,sind die Stoffe, auch wo die Quellen nicht mehr gezeigt werden können, ohne Fragesämmtlich entlehnt. Und in der That ist es nicht unwahrscheinlich, dass Boner auch dienoch fehlenden 10 Fabeln, von denen wenigstens für 3 gleiche unabhängig von ihm entstandenelat. Stücke aus späterer Zeit vorhanden sind, aus lat. Quellen geschöpft hat. Lessing( a. a. O.S. 348) glaubte dafür auch in den lat. Distichen, die in der Schweizer Handschrift( beiPfeiffer A) am Schluss einer jeden Fabel Boners stehen, einen Beweis zu finden. Dagegenist Docen( Jahrb. d. Litt. XV, 6, Wien 1821) der Meinung, dass einige dieser Distichen wolvon Boner selbst herrührten.
Für die Geschichte der deutschen Fabel, in der Boner einen hervorragenden Platzeinnimmt, möge noch auf Diestel, Bausteine zur Gesch. der deutschen Fabel, Dresden 1871