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Beiträge zur germanischen Mythologie : nebst Anhang: Nordische Sagen auf dem Gymnasium
Entstehung
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Auf die nordische bezw. germanische Götters age, deren Kenntnis jadurch das Lesebuch in III B schon angebahnt ist, einzugehen, dazu bietet die Nibelungensagevielfach Anlass. Odin ist der Ahnherr des Geschlechts der Völsunge, dessen Spross Sigurd ist,Odin, Hönir und Loki treten uns in der Geschichte des Hortes entgegen, in Brynhild erblickenwir eine Walküre, an die Meerweiber des Nibelungenliedes wurde schon oben erinnert. Gegen-stand besonderer Belehrung kann die nordische Mythologie jedoch hier nicht sein. Es genügt, demSchüler geeignete neuere Werke zugänglich zu machen. Zu verwerfen sind fast durchweg dieMitteilungen, die sich hierüber in den populären Handbüchern der deutschen Litteratur finden.Auf Grimm und Simrock fussend, bieten sie noch in den neuesten Auflagen dieselben Fehler, dieich an den Lesebüchern S. 16 hervorgehoben habe. ¹)

Die Übersetzung der dichterischen Edda( fälschlich meist noch Sämundar- Edda genannt),deren Lektüre nach den Jahresberichten von 1894 an einigen Anstalter in II A getrieben wird,würde ich nicht in die Hände der Schüler legen, da der überwiegend grössere Teil dieserDichtungen sicher unverständlich bleibt und zu langen Erklärungen in der Schule keine Zeitist. Wohl aber soll der Lehrer nach der Übersetzung von H. Gering( Leipzig u. Wien 1892),die allein auf der Höhe der Forschung steht 2), eines der Götter und Heldenlieder( vor allen dieecht epische prymskviþa und vielleicht die erste Hälfte des zweiten Gudrun liedes) den Schülernvorlesen.³) Die mythischen und heroischen Erzählungen der Snorra- Edda, die Simrock undGering als Anhang zu ihrer Übertragung geben, sind gleichfalls nur in Auswahl( freilich in um-fangreicherer) für die Schüler geeignet. 4) Ein Buch, das eine solche Auswahl mit den für dasVerständnis der Nibelungensage wichtigen Abschnitten der Völsunga- Sage vereint, ist für dieBibliothek der II A zu erstreben.5)

Der Lehrer, der seinen Schülern nicht Unrichtiges beibringen will, wird heute sichnicht mehr( oder doch nicht nur) auf Grimm, Simrock, Holtzmann, Uhland u. a., die für ihreZeit ja Grosses geleistet haben, stützen dürfen, er wird, da es ihm unmöglich ist, der Einzel-forschung zu folgen, Werke, in denen die neueren Ergebnisse der Wissenschaft von kundigerHand zusammengestellt sind, zum Gegenstand seines Studiums machen müssen; so für dieHeldensage die Darstellung von B. Sijmons( in Pauls Grundr. der germ. Philologie II. 1. Abt.1-64) oder wenigstens das so klar und übersichtlich geschriebene und auch für verständige

Name Nibelung steht bald von Siegfried bald von den Burgunden." Vgl. das Richtige bei Jiriczek, D. Heldensage66 f.( Von Siegfried wird dieser Name nie gebraucht, von den Burgunden oder Gjukungen im Deutschen undNordischen nur im zweiten Teil der Sage, nach Siegfrieds Tod). Auch die sonderbare Erklärung der Nibelungen-strophe ,,, deren drei erste Zeilen durch Cäsur in Halbverse von 3 und 4 Hebungen, die letzte Zeile von im ganzenacht Hebungen geteilt werden," hebe ich aus der für die neuere Zeit so wertvollen Gesch. d. d. Lit. von M. Koch( Samml. Göschen 1893 S. 39) hervor. Sehr zu empfehlen ist die Darstellung von O. Lyon, Handb. d. d. Spr. II. A.4. Aufl. 1894, S. 194 ff.

1) Interessant ist, dass Hertha statt oder neben Nerthus( sowie Hermann statt Arminius vgl.selbst M. Koch, Gesch. d. d. Lit. S. 6, Frick und Polack. Aus deutschen Leseb. IV, 15) ihre Rolleweiter spielt. Mit welcher Unkenntnis man über germanische, resp. nordische Mythologie zu sprechen wagt,zeigt z. B. Zurbonsen, Deutsche Lit. Kunde. Leitf. f. d. höh. Schulen. Berlin 1891. S. 3. ,, Einfach und schlicht,ohne die überladenen Ausschmückungen der antiken Götterlehre, steht die Götterwelt der Germanen vor uns da"( Verf. meint damit die nordische Mythologie). S. 4,, Die Göttermutter ist Freya, Odins allwissende Gemahlin."Auch Kluge, Lit. Gesch. 34 huldigt noch dem alten Wahn, dass im sog. Muspilli- Gedicht Anklänge an Heimdall,an den Kampf der Asen und Einherier mit Surtur vorliegen.

2) Die Übertragung der Edda durch Simrock bietet im Text und in den Erklärungen vielfach Unrichtiges.Zu warnen ist vor der Übersetzung von Hans v. Wolzogen( Reklam), die durch Billigkeit( aber auch nur hierdurch)alle andern übertrifft, mit ihrer so falschen, wie geschmacklosen Verdeutschung der nordischen Namen. Wer lachtnicht bei: Blitzeblink( Bilskirnir), Brausheim, Dusler, Hildschwein, Hochgehost, Lohekochkessel, Weltwolfsfisch u. a.?3) Hopf und Paulsiek haben in das Lesebuch für A drei Eddalieder nach Simrocks Übersetzung auf-genommen. Ich halte dies für durchaus verkehrt. Was sollen Tertianer mit dem Wegtamslied und dem Lied vonFafnir anfangen?

4) Sittlich anstössig ist z. B. Bragarður 2.

5) Eine für Schüler geeignete und richtige Darstellung der Eddasagen( bezw. auch der Völsunga-Saga) ist mir nicht bekannt. Die Eddasagen von Schoene und Unsere Vorzeit von W. Wägner kann ich nichtdafür halten.