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Bei Hopf und Paulsiek( Deutsches Lesebuch für höh. Lehranst., 39. Aufl., Berlin 1892/3) findetsich, was ich nur billigen kann, in den Abteilungen für VI, V, IV, kein Stück aus der nordischenMythologie¹). Der Born deutscher Sage, wie er in Grimms Kinder- und Hausmärchen quillt,ist ja so reich, dass man nach Stoff, der für das Kindergemüt geeignet ist, nicht zu suchen braucht.Eine besondere Hervorhebung verdient das liebe, alte Märchen vom Dornröschen, dem wir schonals Kinder auf der Mutter Schoss lauschten, und das die sonst nur im Norden erhaltene Sagevon der auf flammenumringter Felsenburg schlafenden Walküre( Brunhild) wiederspiegelt. DieNibelungensage, welche Hopf und Paulsiek für VI nach Schöne und Osterwald, Buschmann fürdie untern Klassen nach Schwab und Uhland mitteilen, ist eine Zusammenstellung aus der Thidreks-saga, dem Seyfrieds- und dem Nibelungenlied. Haben wir hier auch nur deutsche Quellen, dadie Thidrekssaga uns ja nur die niederdeutsche Form der Sage in nordischer Sprache erschliesst,so hat doch diese Verquickung, die später sicher Verwirrung stiftet, etwas Bedenkliches. Diedem Drachen abgekämpfte Kriemhild des Seyfriedsliedes passt nicht recht zu der höfischenKönigstochter des Nibelungenliedes. Vor allem jedoch meine ich, dass die Nibelungensage imZusammenhang( bei Hopf und Paulsiek zehn volle Seiten!) nicht nach VI sondern nach IIIBgehört, und zwar dann nach der Darstellung des Nibelungenliedes. Siegfried als Schmied undDrachentöter möge man in einem nicht zu langen, frisch geschriebenen Lesestück dem Sextanervorführen und mit Uhlands prächtigem Gedicht„, Siegfrieds Schwert" in Verbindung setzen!In III B ist, um der oben angeführten Bestimmung der Lehrpläne zu genügen, beiHopf und Paulsiek ein grösserer Abschnitt( S. 14-43) der nordischen Sage gewidmet. WährendBuschmann hier( II. Abteil. Für d. mittl. Kl., 8. Aufl. 1893) den Inhalt des deutschenNibelungenliedes( S. 78-94) nach Vilmar wiedergiebt, teilen Hopf und Paulsiek in sechs Stücken( nach Wägner) die nordische Nibelungensage der Edda und Völsungasaga mit. Letzteres kannich nicht gutheissen. Was mutet man dem Untertertianer hiermit eigentlich zu? Soll erSagenvergleichung treiben? Soll er das in VI Gelesene vergessen oder soll er es in Beziehungzu dem so ganz anders und doch wieder ähnlich aussehenden Bilde der nordischen Sage setzen?Auf jeden Fall wird so auf dieser Stufe die ärgste Verwirrung eintreten. Man denke nur an dieNamensänderung Kriemhild- Gudrun, zumal der Inhalt des Gudrunliedes der V zugewiesen ist!Dabei ist die Auswahl und Darstellung der nordischen Sagen( nach Wägner, Unsere Vorzeit. 1887)dem Schulzweck wenig angemessen. Abliegendes wie die Tötung der Hundingssöhne, derAufenthalt bei Gripir( S. 34) war auszuscheiden; der Erzähler schwelgt in ganz überflüssigen,den Untertertianer sicher sonderbar anmutenden Namen( z. B. Eilymi, Lyngvi, Hnikar, Budli,Andvaranaut, Vidofrir, Nidhögg, Hrimthursen u. a.); schwer verständlicher oder fremdartigerAusdruck wechselt mit gesucht volkstümlichem.2) Wenn man nun einmal( was ich nicht geradefür nötig halte) die nordische Nibelungensage in IIIB behandeln soll, so würde ich nur dreiStücke herausheben, die des Wunderbaren und Ergreifenden genug enthalten und das aus derdeutschen Nibelungensage gewonnene Bild nur wenig stören: die Herkunft des Hortes mitHervorhebung des Fluches, der auf dem Golde ruht, die Tötung Fafnirs und Sigurds( ersten)Ritt durch die Waberlohe. Aber, wie oben gesagt, als Hauptaufgabe der IIIB hinsichtlich derNibelungensage betrachte ich die Lektüre eines Auszugs aus dem Nibelungenliede, etwa sowie er bei Buschmann sich findet.³)
1) Das Stück ,, Wode" von Arndt würde ich, als zu gespenstisch, allerdings auch gern entfernt sehen.Ich beschränke mich auf die Lesebücher von Hopf und Paulsiek und von Buschmann, die an den Gymnasien amverbreitetsten sind.
2) Hier eine Stelle statt vieler( Hopf und P. III B, 41): ,, Doch was singt der Adler dort von Sippen-bruch und Meuchelthat? und der nachfdunkle Rabe wie der balzende Auerhahn... freilich wer auf Vogel- undWeiberzungen Glossar ::: zum Glossareintrag Weiberzungen hört, geht leicht irre!"... Es ist Widofnir, der krähend Ragnarök ankündigt," flüsterte Högni,zu Gunnar gewandt. ,, Guthorm, lieber Junge," fuhr Sigurd fort ,, du sonst so plauderselig, warum heute sodüster und schweig sam? Grollst du, weil dich beim Buhurdieren( Turnieren), meine Speerstange niederwarf? Nochein paar Jährchen, so wirst du schon fester stehen. Nun aber, Brüder, die Sporen gebraucht, dass wir zumThing baum kommen!" Dergleichen für Kinder von dreizehn Jahren! Vgl. auch die Stelle S. 35, Zl. 15 f.3) Man sage nicht: Der Lehrer kann ja aus dem Lesestoff auswählen, was er für passend hält. Wasdas Lesebuch bietet, muss für die Lektüre des Schülers geeignet sein, und Pflicht der Schule ist es, jede Ver-wirrung fern zu halten. Für verfehlt halte ich auch die Aufnahme einzelner Abschnitte von Simrocks Über-setzung des Nibelungenliedes in III B, des Gudrunliedes in III A. Dem Tertianer wird diese Poesie sicher nurLangeweile bereiten. Der Ansicht Lehmanns( Der deutsche Unterricht. 1890) über solche Lektüre in III kannich nicht beistimmen.