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Beiträge zur germanischen Mythologie : nebst Anhang: Nordische Sagen auf dem Gymnasium
Entstehung
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Die Tötung Baldrs durch Hoor und dessen Tötung durch Baldrs rächenden Bruder, einMythus, den auch Saxo berichtet, hatte ursprünglich( wie noch bei Saxo) mit Loki nichts zuschaffen. Loki mit dem Mistelzweig gehört einem ganz andern Mythenkreise an, der inVoluspá 33. 36 und Gylfaginning 49 mit dem Mythus von Baldr- Hoor verschmolzen erscheint.¹)So wurde Hoor zum blinden Werkzeug Lokis, und der mistilteinn, der dem Feuergott heiligund als Symbol des Blitzes zugleich dessen mörderische Waffe war, trat an Stelle des Schwertes,mit dem bei Saxo Hoor den Baldr tötet.2) Zugleich erklärt sich so die Blindheit des Hoðr,von der Saxo nichts weiss; doch meine ich, dass hier ein ethisches Motiv mit hineinspielt: DerBlitz, den der mistilteinn nach dem Gesagten vorstellt, tötet, anscheinend blind und ungerechtwaltend, auch den Besten und Edelsten( Baldr).

Wenn ich angesichts dieser auffallenden Parallelen noch der so scharf hervortreten denUbereinstimmung gedenke, die der ganze Charakter Lokis mit dem des Prometheus zeigt,insbesondere der List und Verschlagenheit, die beide auszeichnet³), so muss ich zugestehn, dassmir die oben erwähnten Hypothesen Bugges 4) beinah in günstigerem Lichte erscheinen. Wasmich hauptsächlich abhält ihnen beizutreten, spricht Gering in der Einleitung( S. 8) seinerÜbersetzung der Edda treffend aus: ,, Wenn sie wahr wären, müssten die irischen Gewährsmännerder Wikinger nicht nur in der lateinischen, sondern auch in einem Teil der griechischen Litteraturgründlich zu Hause gewesen sein..., sie müssten auch ihre ganze Gelehrsamkeit bei ihren Gesprächenmit den Piraten des Nordens( die doch nicht Studierens halber nach Britannien gekommen waren)fortwährend präsent gehabt haben."

Odin Widrir

Wunderer.

Seit der kritischen Behandlung der aussereddischen nordischen Mythologie durch H. Petersengilt es als erwiesen, dass das ausgebildete Göttersystem, der Edden nicht nordisches, geschweigedenn germanisches Gemeingut war. Dennoch giebt es in den Edden wenn nicht Mythen, so dochmythische Wesen genug, die auch auf deutschem Boden erscheinen und so den gemeingermanischenUrsprung erkennen lassen. Ja selbst bei nicht besonders hervortretenden Göttergestalten zeigtsich in einzelnen Fällen auffallende Uebereinstimmung; ich erinnere an Fulla, an Hlodyn- Hludana.So ist es wohl gestattet, die an sich kaum erklärliche Benennung eines zweifellos mythischenWesens, das in einem mittelhochdeutschen Gedicht aus dem Ende des 13. oder Anfang des14. Jahrhunderts zuerst uns entgegentritt, mit einem nordisch- eddischen Namen in Verbindungzu bringen.

1) Wie ich oben( S. 7) ausgeführt, halte ich die Anknüpfung der Strafe Lok is an die Tötung Eldirsund Beschimpfung der Götter bei Aegir( nach Lokasenna) für älter als die Verbindung derselben mit BaldrsErmordung.

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2) Leicht konnte die menschliche Waffe mit dem Mistelzweig vertauscht werden. Finden wir doch, wie Wein-hold( Beitr. z. den d. Kriegsaltert. Sitz. Ber. d. Berl. Ak. W. 1891 S. 563) gezeigt hat, den Blitz, den der Gott- mag dies nunOdin oder Loki sein entsendet, menschlich nachgebildet in dem Gerwurf, der nach uralter germanischer Sitte zarKriegsankündigung diente. Der mistilteinn wurde dann geradezu mit dem Schwerte des Hoor identifiziert,daher als Schwertname gebraucht. Vgl. Mogk, Grundr. 1064. Dass mistilteinn ursprünglich das Schwert desHoor hiess und später erst buchstäblich aufgefasst und so als Mistelzweig missverstanden wurde( so Fr. Kauffmanndeutsche Mythol. 79. W. Golther, Göttergl. u. Götters. der Germanen 41), halte ich schon deshalb für unwahr-scheinlich, weil nicht eiuzusehen ist, wie( ohne Beziehung auf Loki) der haltlose Mistelzweig zur Benennung einesSchwertes oder überhaupt einer Waffe verwendet werden konnte.

3) Preller I. 94: ,, Des Prometheus Dichten und Trachten ist wesentlich Widerspruch und Schlauheit. Genaudasselbe gilt von Loki. Vgl. S. 7 Anm. 3. die Epitheta des Pr. u. Loki. Ich gedenke noch der von Hesioderzählten listigen Übervorteilung der Götter durch Prometheus, die an mehrere Handlungen Lokis erinnert; anPrometheus und Loki als Opfergott gleich Agni( Preller ebd., Weinhold in Z. f. d. A. VII, 23).

4) Studien über die Entstehung der nordischen Götter und Heldensagen. Übersetzt von Brenner,München 1889. Ich hoffe, dass es mir möglich ist. auf das Werk von Bugge, das ich für vorliegende Abhandlungnicht benutzen konnte, hinsichtlich Lokis an anderer Stelle einzugehen.