Seelische Ursachen des Alterns, der Jugendlichkeit und der Schönheit
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Repräsentant harter Sprödigkeit, eitler oder kalter Selbstliebe, sondern auchals Repräsentant lobenswerter Enthaltsamkeit galt.( Vgl. Narkissos, einekunstmythologische Abhandlung von Friedrich Wieseler. S. 74.)
Es wurde schon ausgeführt, daß Männer, die unter der Herrschaft desMutterkomplexes stehen, mehr Aussicht auf eine lange Jugend haben,als solche, die sich dem weiblichen Geschlechte gegenüber als Autoritätund Beschützer fühlen. Das Entsprechende gilt von Frauen, deren Jugendlich-keit es auch günstig ist, wenn sie unter der Herrschaft des Vaterkomplexesstehen.
Ein Beispiel aus dem Roman„ Le Docteur Pascal" von Zola möchteich zur Stütze dieser Behauptung anführen. Interessanterweise erweist sichZola in diesem Werke als theoretischer Vorgänger von Steinach, dennder Doktor Pascal hat ja das Mittel gefunden, durch Injektionen neue Ju-gend zu verleihen, das er auch auf sich selbst mit Erfolg anwendet. Fürunser Thema kommt aber weniger der Doktor Pascal als seine Nichte undGeliebte Clotilde in Betracht. Von ihr sagt der Autor gleich zu Anfangdes Romans:„ Malgré ses 25 ans elle restait enfantine et en pa-raissait à peine 18." Für uns erhebt sich nun die Frage: Wie vollzogsich die Entwicklung Clotildens, deren Jugendlichkeit sich als so wider-standsfähig erwies. Dieses Mädchen, das aus der schwer belasteten Familieder Rougon Macquart stammt, verbringt ihre ersten Jahre in Paris, wirdaber bald in das Haus ihres Onkels Pascal gebracht, wo sie in ländlicherUngebundenheit aufwächst. Ihr gelehrter Onkel kümmert sich nicht allzu-viel um ihre Ausbildung, da Clotilde ihm aber bei seinen naturwissen-schaftlichen und medizinischen Forschungen Hilfe leistet, erwirbt sie mitder Zeit ausgedehnte Kenntnisse auf diesem Gebiete und macht sich denInteressenkreis ihres Onkels zu eigen, den sie leidenschaftlich liebt. Er istfür sie der viel ältere, mit väterlicher Autorität wirkende Geliebte, wasübrigens auch aus der Anrede ,, Maître" hervorgeht, die Clotilde ihm gegen-über konsequent anwendet. Als Clotilde einmal in einem Anfall von reli-giöser Überspanntheit, die sich aus ihrer belasteten Deszendenz erklärt,seine wissenschaftlichen Werke vernichten will, um sein Seelenheil zuretten, macht er diese Autorität so sehr geltend, daß er sie sogar miẞhandeltund sie seinem Willen vollständig unterwirft. Das weitere Schicksal derLiebenden interessiert uns hier nicht, es soll nur konstatiert werden, daßfür eine langsame Entwicklung bei Clotilde günstige Voraussetzungen ge-geben sind: eine Erziehung auf dem Lande in fast knabenhafter Unge-bundenheit, die die Entwicklung in keiner Weise beschleunigt und starke
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