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Dr. Alice Sperber
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solchen Umständen mußten die Eheaussichten reifer Frauenreifer Frauen steigen.Während früher in erster Linie das junge, fast noch kindliche Mädchenauf die Huldigungen des männlichen Geschlechtes Anspruch erheben durfteund ein Mädchen von dreißig Jahren kaum noch begehrenswert erschien,haben viele Frauen der erwähnten Schichte erst in diesem Alter, zum Teilauch noch später geheiratet, mit anderen Worten: die Männer hielten anderjenigen Einstellung zum weiblichen Geschlecht fest, die ihnen in derKindheit und in Jünglingsjahren vertraut geworden war und wenn fürdiese späten Eheschließungen es auch manchmal in Betracht kommenkonnte, daß die wirtschaftliche Selbständigkeit der Frau die Gründung desHaushaltes erleichterte, so war dies doch nicht immer der Fall und auchnicht der alleinige Grund. Gelegentlich heirateten sehr junge Männer vielältere Frauen und soweit meine naturgemäß allerdings recht begrenztenBeobachtungen reichen, waren diese Ehen, mit ihrer starken Betonung desMutterkomplexes von seiten des Mannes, der langsamen Enwicklung jenerMänner günstig.
Es ergibt sich nun die Frage, wie sich die allgemein kindlicheMentalität, die soeben hier beschrieben wurde, zum Problem der jugend-erhaltenden Kraft des Narzißmus verhält. Nun wäre es ja wohlmöglich, daß Menschen, die sich eine gewisse Kindlichkeit oder Jugend-lichkeit des Gemütes bewahren, verhältnismäßig lange jung aussehen, auchdann, wenn sie nicht besonders narziẞtisch veranlagt sind, aber ich glaubedoch, daß die derzeitige Seelenverfassung des männlichen Geschlechtes, dassich einer so schweren Bürde entledigt hat, wie es die Beschützerrollegegenüber der Frau bedeutete, einer kindlich narziẞtischen Einstellunggünstig ist, denn je weniger die Verantwortung und Sorge für andere dasGemüt eines Menschen bedrückt, desto mehr wird er geneigt sein, sichselbst zum Mittelpunkt seines Interesses zu machen.
Ich gehe nun zur Erörterung dieses Problems in bezug auf das weib-liche Geschlecht über und möchte vor allem eine auch von anderen be-merkte Tatsache konstatieren. In den ersten Jahren der Frauenemanzi-pation, als derartige Betrachtungen noch nicht durch Babyfrisuren, Bubi-köpfe und Schulmädchenkleider erschwert wurden, ist es aufgefallen, daßMädchen, deren Schulzeit infolge des Studiums länger währte als jeneanderer Frauen, eine merkwürdige widerstandsfähige Jugendlichkeit be-wahrten. Vgl.„ Quellen und Studien zur Jugendkunde", herausgegeben vonCharlotte Bühler, Heft 1.„ Tagebuch eines Mädchens", Jena 1922, S. 6:Es handelt sich um ein Gespräch einer Lehrerin mit ihrer etwa vierzehn-