Seelische Ursachen des Alterns, der Jugendlichkeit und der Schönheit 7
gesetzt, und von einem neu angekommenen Künstler hatte anwerbenlassen, mit einem Topf auf dem Haupt und einem kleinen braunenKnaben an der Hand Modell zu stehen. Solch ein Bild hing jedenfalls ander Wand.
Auf der Reise nach Italien traf sie mit einem Landsmann zusammen,einem bekannten tüchtigen Kritiker, der lieber ein Dichter gewesen wäre.Eine negative skeptische Natur nannte man ihn, einen scharfen Kopf, derseine Mitmenschen hart und unbarmherzig anfaßte und seine Brutalitätdurch dies ,, weil" gerechtfertigt glaubte. Allein er war nicht ganz das,wozu die Leute ihn machten; er war nicht so unangenehm aus einemGuß, noch so rücksichtslos konsequent, als er aussah, denn ungeachtet,daß er gegenüber der idealen Richtung der Zeit allezeit auf dem Fehdefuẞwar, und sie mit anderen verdammenden Namen nannte, so hatte er dochfür dies Ideale, Träumende, Ätherische, dies blaublau Mystische, das unbe-greiflich Hohe und verschwindend Zarte eine Sympathie, die er der mehrerdgeborenen Richtung gegenüber nicht empfand, für die er kämpfte undan die er hauptsächlich glaubte.
Widerstrebend verliebte er sich in Frau Boye, doch er sagte ihr esnicht, denn es war keine junge und offene, keine hoffende Verliebtheit.Er liebte sie wie ein Wesen von einer anderen, feineren und glücklicherenRasse als seine eigene, und es war darum Neid in seiner Liebe, eine instinkt-mäßige Erbitterung wider das, was in ihrer Rasse war.
Mit feindlichen eifersüchtigen Augen sah er auf ihre Neigungen undMeinungen, ihre Geschmacksrichtung und ihre Lebensanschauung, undmit allen Waffen, mit feiner Beredsamkeit, mit herzloser Logik undbarscher Autorität und mitleidsgefühltem Spott erkämpfte ererkämpfte er sie sich,gewann er sie zu sich und zu seiner Ansicht hinüber. Aber als die Wahr-heit nun gesiegt hatte und sie wie er geworden war, da sah er, daß nichtallzuviel gewonnen und daß er sie mit ihren Illusionen und Vorurteilen,ihren Träumen und Irrtümern geliebt hatte und nicht als die, so sie
nun war.
Unzufrieden mit sich selbst, mit ihr und mit allem zu Hause, reist erfort und blieb auch fort. Aber da hatte sie gerade begonnen, ihn zu lieben.Aus diesem Verhältnis konnten die Leute natürlich sehr viel machenund das taten sie auch. Die Etatsrätin sprach mit Niels, so wie alte Tugendvon jungem Fehltritt spricht."( S. 94 ff.)
Leben
Nach diesem schon ziemlich wechselvollenLiebesepisode zwischen Frau Boye und Niels Lyhne.
kommt nun dieObwohl sie den