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WALTER ANDERSON
B XXI. 3
Der Hauptunterschied von der Darstellung des babylonischenEpos beruht darin, daß als Gegner Chumbaba's nicht Gilgamesch,sondern gerade Enkidu die Hauptrolle spielt; aber auch Gilga-mesch ist hier( anders als in der Geschichte vom bösen Fried-rich!) wenigstens vorhanden, und zwar als ein dem Hasen Enkiduganz angeglichener kleiner Sohn, also ebenfalls ein H ase. DasVater und Sohn- Verhältnis zwischen Gilgamesch und Enkidu hatJensen in israelitischen Gilgamesch- Sagen mehrfach nachgewiesen( I 413. 526 f. etc.), nur daẞ dort Gilgamesch immer der Vaterdes Enkidu ist: in unserer Geschichte müßte also der Gilgameschfür den Enkidu eingetreten sein und andererseits der Enkidu fürden Gilgamesch( vgl. I 420); und wirklich zeigt in dem Verse,, Des Häschens Kind, der kleine Has" das charakteristischeDeminutivum noch heute, wer von den beiden ursprünglich derSohn gewesen ist.- Gilgamesch könnte in der Geschichte vomwilden Jäger übrigens noch in einem anderen Reflex vorhandensein: denn so toll das nun manchem erscheinen mag, könnte inder als Bundesgenosse des Hasen- Enkidu den Jäger-Chumbaba stechenden, menschengesichtigen, scha-denfroh lachenden Sonne vielleicht der einstige Sonnen-gott Gilgamesch- Schamasch zu erkennen sein( vgl. oben S. 29zur Geschichte mit dem Feuerzeug). Noch wahrscheinlicher istes freilich, daß wir es hier einfach mit einem Reflex des den bei-den Helden auf Reschat- Belit's Bitten von Schamasch gegen Chum-baba gewährten Schutzes( I 13 f.) zu tun haben. Etwas auf-fallend ist der Umstand, daß die Göttin Irnini- Ischtar durch denKaffeelöffel der Frau des Jägers, also durch einen leblosen Gegen-stand, vertreten ist: doch dürfte sie hier als die wiedereroberteStatue der Stadtgöttin von Erech gedacht sein; jedenfalls ist einsolcher Reflex nicht merkwürdiger, als derjenige des Xisuthrosals Labans Hausgötze( I 249).
Mit dem Bewußtsein, eine sehr verwickelte Frage anzu-schneiden, trete ich in die nachfolgende Erörterung ein. Der Jä-ger unserer Geschichte kommt nicht durch Enthauptungum, wie sein babylonisches Urbild Chumbaba, sondern offenbardurch den Sturz in einen Brunnen. Dies erinnert denndoch gar zu deutlich an das Schicksal Josephs und des vonseinen Stiefbrüdern Atreus und Thyestes getöteten und in einenBrunnen geworfenen schönen Chrysippus; nun sind abersowohl Joseph( I 261 f.) als der diesen reflektierende Chrysippus( II 372) Enkidu's, und zwar sterbende Enkidu's! Dem Tode desEnkidu( und sogar der Chumbaba- Episode) geht aber nachJensens I. Bande( S. 7-9) schon im babylonischen Epos, nachseinem II. Bande( Ergh. 67-71) nur in dessen israelitischenDerivaten die Episode der Wüstenflucht Enkidu's vor-aus, wo der verzweifelnde Enkidu in der Wüste von demSonnengott Schamasch getröstet wird. Sollte sich nundiese Szene( die heutzutage in die 7. Tafel des Epos versetzt wird:
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