10.064 SA 5:10
I
Über den Esopus des Burkhard Waldis.
Von
Artur Ludwig Stiefel( München).
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die
Die Quellen des Waldisschen Esopus harren noch immerder vollständigen Aufklärung, wenn auch seine HauptvorlageFabelsammlung des Dorpius ¹) längst bekannt ist. Was dieübrigen Quellen anbelangt, so haben die Herausgeber Kurz undTittmann für viele Fabeln richtige Nachweise gebracht, in manchenFällen sind aber ihre Angaben als irrige zu bezeichnen. Ich gebehier ein paar Berichtigungen bezw. Ergänzungen.
Für die 61. Fabel des IV. Buches Vom Lamen vnd dem Blin-den hat H. Kurz( Esopus Band II, S. 178)" Gesta Romanorum 71Von der Vergeltung der ewigen Heimat" als Quelle bezeichnet.Es ist die nur im lateinischen Vulgärtext gedruckt vorliegende vonÖsterley mit dem Schlagwort Lahmer und Blinder" versehene Er-zählung" De remuneracione eterne patrie". Diese beginnt ähnlichwie das biblische Buch Esther mit der Veranstaltung eines großenGastmahls, zu dem der König des Landes„ omnes cujuscumquecondicionis im ganzen Reiche durch Herolde einladen läßt.
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Nun leben in einer Stadt ein Blinder und ein Lahmer, die durch ihreLeibesgebrechen am Erscheinen beim Mahle verhindert sind. Da sagt derLahme zum Blinden: Tu es fortis et robustus in corpore, ego vero debilis,quia claudus; me super dorsum tuum portabis, ego vero tibi viam dirigam,quia satis clare video et sic ambo ad convivium veniemus, et mercedemsicut ceteri obtinebimus. Der Blinde ist damit einverstanden et sic amboad convivium venerunt.
1) So bezeichne ich der Einfachheit wegen die ursprünglich von MartinDorpius herausgegebene vielverbreitete, später erweiterte Fabelsammlung, überdie W. Braune in seiner trefflichen Ausgabe der Fabeln des Erasmus AlberusVorrede S. XXX ff. ausführlich gehandelt hat.
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