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WALTER ANDERSON
B XXI. 3
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niedriger spannen wenn auch nur selten so niedrig oder garnoch niedriger als Jensen selbst. Je anspruchsloser der Forscherin dieser Hinsicht ist, desto bequemer kann er Nichtzusammen-gehöriges unter einen Hut bringen, desto leichter kann er seinerblühenden Phantasie die Zügel schießen lassen; und hat dasNiveau der Anforderungen an die Ähnlichkeit der Erzählungeneinen gewissen Tiefstand erreicht, dann läßt sich eben alles mitallem zusammenbringen und alles aus allemableiten.
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es
Es ist nun interessant zu beobachten, daß ein Forscher, dereinmal so weit gekommen ist, sich dieser seiner wissenschaftlichenAllmacht niemals bewußt wird: er wird stets von der( eigenenoder fremden) Idee erfaßt, der ganze( oder fast der ganze) Er-zählungsschatz der Menschheit lasse sich trotz seiner unendlichenBuntheit nur ausgerechnet aus einem einzigen be-stimmten Erzählungskreis oder gar aus einereinzigen bestimmten Erzählung ableiten. DerForscher macht die Probe aufs Exempel, und siehe dageht, es geht wunderschön, es geht immer, ob es sich nun umdie Phantastereien der Sonnen-, Mond- oder Gewitter-mythologen handelt, die da glauben, die Menschheit habe imLaufe der Jahrtausende nichts Besseres zu tun gewußt, als dieGeschichten vom Tages- und Jahreslauf der Sonne, von den Mond-phasen, den Finsternissen u. s. w. immer von neuem wiederzu-käuen( NB. auch Jensen ist Sonnenmythologe: vgl. I 77-124);oder um die Theorien von Psychoanalytikern wie O. Rank, derdie Künste der Freudschen Traumexegese etc. auf die Volkser-zählungen anwendet 10); oder um Sophus Bugge, der mit ver-blüffender Gewandtheit Eddasagen aus biblischen und antikenGeschichten deduziert, die mit ihnen überhaupt keine Ähnlichkeithaben 11); oder um den Polen M. Kawczyński, der allesErnstes glaubt, eine Unmasse von europäischen Volksmärchenseien erst in den letzten vier Jahrhunderten durch das Bekannt-werden von Apuleius' ,, Amor und Psyche" entstanden 12); oder
10) Otto Rank, Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung, Leip-zig und Wien 1919.dous
11) Sophus Bugge, Studien über die Entstehung der nordischen Götter-und Heldensagen, übers. v. Oscar Brenner, München 1889.( Dän. Orig.:1881. 96.)
12) M. Kawczyński, Amor und Psyche in den Märchen, Anzeiger der