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Volkskunde
(1925-1931)
Entstehung
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Volkskunde( 1925-1931)

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46. Ein ungemein verbreitetes Mythen- und Märchenmotiv, das vomStarken Knaben, untersuchte Scherb¹, einer Anregung Garbes fol-gend. Die 1924 im wesentlichen abgeschlossene Arbeit ist nach demTod des Verfassers erst gedruckt worden; so erklären sich mancheLücken im Material sowohl der antiken Mythologie wie der Märchen;in Frobenius' Atlantisbänden ist sehr viel noch zu holen, aber auch sonstin den neueren Bänden der Diederichsschen Sammlung. Leider ist auchdie summarische Art vieler Quellennachweise recht störend. Trotzdem:wesentliche Gesichtspunkte vermißt man kaum in der Analyse der Vor-stellungen von den Wundertaten oder Streichen des starken Helden;nur hätte m. E. die hagiographische Überlieferung systematischer heran-gezogen werden müssen; was S. 27 ff. geboten wird, ist nur ein kleinerBruchteil des existierenden Materials. Ein störender Druckfehler: S. 128ist statt ,, Konkubation" natürlich Inkubation zu lesen. Für antikesMaterial vgl. jetzt Pfister, Rel. d. Griechen u. Römer 169 f.; Radermacher,Der hom. Hermeshymnus( Sitz.- Ber. Wien ph. h. Kl. 213 I, 1931). ZumGesamtthema vgl. noch oben§ 34.

47. Der Wert von Müllers 2 Würzburger Dissertation über die Psycho-logie des deutschen Volksmärchens liegt weniger in ihren ,, Theore-tischen Grundfragen". Was er über die ursprünglichsten Formen der Prosa-erzählung und des Märchens sagt, ist zu einseitig vom deutschen Märchen ausgesehen. Die Musterung der arischen, indischen, anthropologischen Theorie,der Traumtheorie mit Einschluß der Psychoanalyse, der geographisch- histori-schen Methode bringt weder neue Gesichtspunkte noch ruht sie auf umfassen-der Literaturkenntnis, kann nur als rasche Orientierung dienen. Dagegen istder Hauptteil entschieden zu begrüßen, die Analyse vom Standpunkt der Struktur-psychologie aus, die das intellektuelle und emotionale Seelenleben im Märchenklarstellt, auch für seine ästhetische Bewertung fruchtbar wird, und vor allemder Schlußteil. Er beruht auf kinderpsychologischen und jugendkundlichenUntersuchungen an reichem Versuchsmaterial und führt zwingend zu dem Er-gebnis, daß alle Warnungen vor dem Märchen als jugendgefährlich weit übersZiel hinausschossen. Hat doch Panholzers pädagogischer Führer die Grimm-schen Märchen als ekelhaftes Buch erklärt! Demgegenüber stellt Müllers Um-frage fest, daß 95% der Antworten aus seiner Umfrage die Gefährlichkeit impädagogischen Sinne verneinen.

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Eine lehrhafte Tendenz wohnt dem Märchen freilich nicht von Natur ausinne. Und was es an Ethik birgt, steht nicht im Dienst einer sittlichen Idee,sondern spiegelt recht allgemeine und handfeste, volksläufige Anschauungen,wie Groth zeigt. Tapferkeit, Tüchtigkeit, Schlauheit, Geschicklichkeit findet1 H. Scherb Das Motiv vom starken Knaben in den Märchen der Welt-literatur, seine religionsgeschichtliche Bedeutung und Entwicklung.( Veröffentl.d. Oriental Glossar ::: zum Glossareintrag  Oriental. Seminars d. Universität Tübingen, Abhandl. z. Oriental Glossar ::: zum Glossareintrag  Oriental. Philol. u.z. allgemeinen Religionsgeschichte II.) Stuttgart 1930, Kohlhammer. VIII 135 S.2 E. Müller Psychologie des deutschen Volksmärchens. München 1928, Kösel-Pustet. XII, 160 S.

3 P. Groth Die ethische Haltung des deutschen Volksmärchens.( Form undGeist, Arbeiten zur germanischen Philologie XVI.) Leipzig 1930, H. Eichblatt. 72 S.