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Das Geschenk der Lebensjahre
Entstehung
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Das Geschenk der Lebensjahre

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nichts dergleichen vorgesehen gewesen zu sein, und daß der Qāḍī in demTeile der vortrefflichen Schrift, wo er für sich selber spricht, den hoch-verehrten Spruch angezogen hat, ist wohl dem Wunsche entsprungen, füralle Fälle oder etwa für den Fall, daß Seine Exzellenz vor dem Ablauf derihm geschenkten Jahre sterben würde, seine Hände in Unschuld ge-waschen zu haben.

Noch bedeutsamer aber ist, daß die von uns an den Anfang dieserErörterung gestellte Geschichte, die erzählt, wie die drei Tiere Haus-genossen des Menschen geworden sind, zwar mit der Feststellung beginnt,daẞ Zeus dem Menschen die Lebenszeit bestimmt hat, in ihrem weiternVerlaufe aber, wo sie von den Verträgen handelt, die diese Tiere mit demMenschen eingegangen sind, um von ihm Obdach( und Nahrung) zu er-halten, des Gottes nicht mehr gedenkt: die Tiere haben die Bedingung desMenschen angenommen, und damit ist alles erledigt; der Mensch verlebteinfach die Jahre, auf die sie zu seinen Gunsten verzichtet haben, und dastut er noch heute, ohne daß dies irgendeine Gottheit zur Kenntnis ge-nommen hätte. Daß diese Geschichte frei erfunden wäre, ist wohl ausge-schlossen: sie muß auf einer viel, viel ältern beruhen, die noch keinen An-spruch erhob, Tatsachen der Gegenwart und der Zukunft aus angeblichenTatsachen einer weit zurückliegenden Vergangenheit zu deuten oder zuerklären, sondern schlicht und einfach Ereignisse des Gemeinschafts-lebens ihrer Zeit so erzählte, wie sie der Erzähler als Glied dieser Gemein-schaft sah. Daß weiter diese Geschichte, die als Muster oder Vorbild dersogenannten Fabel angenommen werden muß, griechischen Ursprungs ge-wesen wäre, darf als ausgeschlossen gelten: wäre sie es gewesen, dannhätte sich doch in der so reichen Literatur der Griechen irgendetwas er-halten haben müssen, das die Bekanntschaft wenigstens Eines Stammesmit dem Motive der abgetretenen Lebensjahre wahrscheinlich machenwürde. So wird denn die Berechtigung der Auffassung, daß die Heimatdieser Vorfahrin der Geschichte von dem Menschen und dem Pferd, demRind und dem Hunde irgendwo in Vorderasien zu suchen ist, kaum be-stritten werden können.

Diese ursprüngliche Geschichte aber setzt voraus, daß der Glaube andie Unwandelbarkeit der Beschlüsse des Schicksals, gleichgültig, wer alsRepräsentant des Schicksals gedacht worden ist, ob das nun eine einzelneGottheit oder ihrer mehrere gewesen sind, dort, wo sie entstanden ist,Ausnahmen zugelassen hat etwa in dem Sinne, daß zwar die Gesamtheitder irgendeinem Kollektivum, der Familie, dem Stamme, dem Volke, derMenschheit, bestimmten Lebensjahre unabänderlich feststehe, innerhalbdieser Grenzen aber Verschiebungen möglich seien oder daß es, andersausgedrückt, das Schicksal des Schicksals sei, gegen Einzelabmachungen,die sich in den großen, allgemeinen Rahmen fügten, machtlos zu sein. An-gesichts der ineinander verschwimmenden Formen des Polytheismus und