21
Ich fleh' für ihn, ich flehe für sein Leben,
Zur Buße lent' er reuevoll den Schritt!Der Mut des Glaubens sei ihm neu gegeben,Daß auch für ihn einst der Erlöser litt.
Wagner gibt seiner Heldin den Namen der berühmtenHeiligen des Thüringer und Hessen- Landes, die von 1207-1231lebte und mit Ludwig, dem Sohne des Landgrafen Hermannvermählt war. Tannhäuser nennt sie geradezu„ heiligeElisabeth". Aber die Umrisse der Gestalt waren durch diealte Dichtung und die Sage vom Wartburgkrieg sowie durchHoffmanns Erzählung vorgebildet. Wie sich dort Heinrich vonOfterdingen, als er versungen hat, unter den schüßendenMantel der Landgräfin flüchtet, so befreit den Tannhäuserhier im 2. Akte Elisabeth vor den aufgebrachten Sängern undRittern. Bei Hoffmann entspricht die Figur der Mathildevon Falkenstein der Elisabeth Wagners. Ihre Liebe schwanktzwischen Wolfram und Ofterdingen. Bei Wagner hat ihrHerz klar für Tannhäuser entschieden, aber Wolfram widmetihr auch, ohne Erhörung zu finden, Gefühle anbetender Ver-ehrung.
Noch viele einzelne Züge verdankt Wagner seinen Vor-gängern, namentlich Hoffmann. Bei diesem ist gleich zu Anfangein Jagdzug in der Nähe der Wartburg geschildert, an demder Landgraf und die Sänger teilnehmen; und das Wieder-sehen mit Heinrich von Ofterdingen erfolgt bei einer anderenGelegenheit ebenso unerwartet wie bei Wagner das mit Tann-häuser. Wagner hat diesen Anregungen die Szenerie undmanches vom Inhalt der zweiten Szene des ersten Aktes zuverdanken. Die leidenschaftliche Ausartung des Sängerkriegesbietet bereits der alte„ Wartburgkrieg" und ebenso Hoff-mann. Tannhäusers große Erzählung im 3. Afte gleicht der-jenigen bei Tieck, wo der Held bleich, verstört und in abgerissenenWallfahrtskleidern zu seinem Freunde Friedrich von Wolfsburgzurückkehrt und von der Romfahrt ergreifend- unheimlichenBericht erstattet. Das Stabwunder der alten Tannhäuser=Sage hat Wagner beibehalten, aber er hat es seiner anti-päpstlichen Tendenz fast ganz entkleidet: die jüngeren Pilger,die wenig später zurückkehren als die älteren, melden, daßsich der Stab in des Priesters Hand mit neuem Grün ge-schmückt hat, und daß dem Sünder verziehen wird. Dieser
FOR
USEUM
BIBLIOTHEK
WIEN