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Tannhäuser in Geschichte, Sage und Dichtung : ein Vortrag gehalten am 7. Oktober 1907
Entstehung
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die Volksbücher von Magelone, Genoveva, Melusine, Okta-vian, den Haimonskindern, Blaubart usw. sinnig erneuerte,er hat auch den Tannhäuser als erster wieder herauf-beschworen. Doch eigentlich sind es zwei verschiedene Ge-schichten, die er, von dem Recht freier Erfindung reichlichGebrauch machend, uns darbietet. Er hat dabei das alteTannhäuserlied nicht gekannt, sondern wohl nur einen dunklenNachhall der Sage vernommen. Die erste Geschichte, teilsin Versen, teils in Prosa vorgetragen, handelt von demgetreuen Eckart, der seinen Herrn, den Herzog von Burgund,trotz schnöder Behandlung, aus schwerer Gefahr errettet,und, von dem Sterbenden als Vormund seiner Söhneeingesetzt, für diese im Kampf gegen dämonische Unholdesein Leben opfert. Sein Geist hält fortan Wache vor dem Bergeder Unholde und warnt die Verirrten vor dem Eintritt.

Die zweite Geschichte spielt 400 Jahre später. Ihr Held,Tannenhäuser, ist Nachkomme eines Knechtes, der dem treuenEckart bei der Errettung des Herzogs von Burgund zur Seitegestanden hatte, durch das Geschenk eines Schlosses belohntworden war, und, da er im Tann hauste, künftig Tannenhäuserheißen sollte. Diese zweite Erzählung, in schwüle Dämmer-stimmung getaucht, Traum und Wirklichkeit wunderbar ver-mischend, entspricht in der Hauptsache der alten Tannhäuser-sage. Aber charakteristisch neu ist hier die starke Hervor-hebung der Ursachen, die Tannhäuser in den Berg hin-eintreiben, während sonst nur die Folgen seines Auf-enthaltes im Berge betont werden. Tannenhäusers Liebezu Emma wird nicht erwidert; sie schenkt einem anderenihr Herz, aber am Morgen des Hochzeitstages erschlägt erden glücklichen Nebenbuhler; die Braut stirbt, und ebensobringt der Gram über des Sohnes Untat die Eltern Tannen-häusers vor der Zeit in das Grab. Troz Eckarts Warnungzieht er in den Venusberg, verläßt diesen aber nach Jahrenund gelangt völlig verändert, in Pilgerkleidung, zu seinemJugendfreunde Friedrich von Wolfsburg. Doch wie erschricktder, als Tannenhäuser von seinen vermeintlichen Erlebnissenerzählt! Denn Emma, des Ritters Jugendgeliebte, ist nichttot: sie ist Friedrichs Frau; der Nebenbuhler ist also auch nichterschlagen worden; all jene Erlebnisse Tannenhäusers beruhenauf Traum und Wahn, und daß er Emma geliebt hatte, war