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Tannhäuser in Geschichte, Sage und Dichtung : ein Vortrag gehalten am 7. Oktober 1907
Entstehung
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Tage vergangen waren, da tat Gott der Herr ein Wunderund ließ an dem Stabe Blätter und Blüten hervorsprießen.Der Papst sandte Boten aus nach dem Sünder, ihn zu benach-richtigen. Aber zu spät: Tannhäuser weilte bereits wiederim Venusberg, und so muß nun auch der Papst, dessen HärteGott selbst durch ein Wunder mißbilligt, für alle Zeit ver-loren sein.

Ganz deutlich fügt sich also an die im päpstlich- pfäffischenGeist gehaltenen ältesten Bestandteile der Tannhäuser- Sageein antipäpstlicher Schluß an; dadurch gewinnt das Volksliedeinen merkwürdig uneinheitlichen Charakter. Diese Wider-sprüche können nur durch die besonderen Umstände der Ent-stehung erklärt werden.

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Wie in der Verbindung Tannhäusers mit Venus uraltesSagengut in neuer Form weiterlebt, so ist auch das Wundervon dem ergrünenden Stabe nur übertragen, nicht neu er-funden worden. Es erinnert ein wenig an den ergrünendenStecken Aarons( 4. Mose, Kap. 17): der Herr befahl Mose,er solle zwölf Stecken in die Stiftshütte legen, von jedemFürsten ihrer Stämme einen; auf den Stecken Levis solle eraber den Namen Aarons schreiben: der Stecken dessen, dender Herr zum Priester erwählte, werde grünen. Als aberMoses des anderen Tages in die Hütte kam, fand er denStecken Aarons, des Hauses Levi, grünen, er sah ihn Blütenund Mandeln tragen. Und auch eine in Schweden erhaltenegermanische Sage lautet ähnlich: einst begegnet ein Priestereinem Neck, d. h. einem Nickelmann oder Wassergeist, der aufder Harfe spielte; da sagte zu ihm der Priester: eher wirddieser Rohrstab in meiner Hand grünen und blühen, ehe duErlösung erlangst." Traurig warf da der Neck die Harfe weg.und weinte. Als aber der Priester von dannen geritten war,ergrünte und erblühte sein Stab; er eilte zurück zu dem Neckund erzählte ihm das Wunder: da spielte dieser die ganze Nachthindurch heitere Weisen. Diese Motive sind dem von Tann-häusers ergrünendem Stabe ähnlich, und wenn es mir auchfern liegt, zu behaupten, daß eines von ihnen unmittelbarauf unsere Sage übertragen worden sei, so deuten sie doch aufeine weitverbreitete Lieblingsvorstellung der Volksphantasie,und diese Lieblingsvorstellung erwachte, durch bestimmteWünsche der Herzens angeregt, auch in unserem Falle zuneuem Leben.