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ALBERT WESSELSKI
der Mensch in den Jahren des Esels hart arbeiten muß und daß er in denHundsjahren habgierig wird wie dieser, wird ausgeführt; die Parallele zudem Affen aber wird nur möglich, indem Falco für diesen keine andereVerrichtung kennt, als durch seine Gebärden die Kinder zu unterhalten.
Während Falcos Verse von Delaunay und, nach diesem, von Hage-dorn bearbeitet worden sind, hat wohl Alemans Darstellung, obgleich derzweite Teil seines Romans nie ins Deutsche übersetzt worden ist, vielleichtzusammen mit Hagedorns Gedicht, Ludwig Aurbacher für die 12. der Er-baulichen und ergötzlichen Historien benützt, die er in dem ersten Teileseines Volksbüchleins( 1827) mitgeteilt hat; so ist sie denn auch, ohnedaẞ freilich die Zahlen stets beibehalten worden wären, in den Volksmundübergegangen und aus diesem schon 1840 in die Grimmschen Kinder- undHausmärchen aufgenommen worden.1) Es folgten weitere derartige Auf-zeichnungen, und 1918 konnten Bolte und Polívka( III, 292) bereits eineerkleckliche Zahl nachweisen; seither aber ist neben weitern europäischenVersionen2) auch eine indische bekannt worden, die William Crooke inBudaun( zwischen der Ganga und der Ram- Ganga) der von einem Lehrerbestätigten Erzählung eines Qādīs dieser mehr als zur Hälfte mohamme-danischen Glossar ::: zum Glossareintrag danischen Stadt nachgeschrieben hat, 3) und sie beansprucht ein beson-deres Interesse:
An dem Tage der Schöpfung beruft Allāh alle Geschöpfe zu sich, umihnen ihre Lebenszeit zuzuteilen; dabei erhalten der Esel, die Eule, derHund und der Mensch je vierzig Jahre. Damit ist der Mensch nicht zu-frieden: zwanzig Jahre brauche er, bis er erwachsen sei, zwanzig, um sichWeisheit und Kenntnisse zu erwerben; wo bleibe da die Zeit, die er Gottdienen will? Unterdessen kommt der Esel, und der jammert bitterlich,daß er die harte Arbeit bei karger Nahrung und arger Mißhandlung nichtso lange aushalten könne; da nimmt Allāh zwanzig Jahre von ihm undgibt sie dem Menschen. Dasselbe erzielen dann auch Hund und Eule, undso hat nun der Mensch hundert Jahre zu leben: nach vierzig Jahren wirder faul und genügsam wie der Esel, dann wachsam und bissig wie derHund, und schließlich wird er schwachsichtig wie die Eule, verliert dieZähne, kann nur noch krächzen, hört nichts mehr, sitzt zu Hause undglotzt seine Angehörigen an, und die hassen ihn und wünschen nichtssehnlicher als seinen Tod.
Wie man sieht, ähnelt diese Geschichte der Fassung Falcos nur indem Anfange, wo Juppiter seine Geschöpfe zu sich bescheidet; in den viel
1) S. die Feststellungen Wilh. Schoofs in den Hess. Bl. für Volkk., XXIX, 103 f.2) P. Zaunert, Deutsche Märchen aus dem Donaulande, 1926, 200( aus Ober-österreich), Ad. Schullerus, Verzeichnis der rumänischen Märchen( FF Comm., nº 78),1928, 93, nº 113, Jonas Balys, Motif- Index of Lithuanian Narrative Folk- Lore( Tauto-sakos Darbai, II), 1936, 186, nº 3060.
3) The Indian Antiquary, LIII( 1924), Suppl., 11, nº 26.