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ALBERT WESSELSKI
Ausgabe eines Augsburger Kodex gebracht, 1) und die Fabeln von Babriossind gar erst 1844( durch J. Fr. Boissonade) zum ersten Male herausge-bracht worden.2) Obwohl es also bis in die ersten Jahre des siebzehntenJahrhunderts außer einigen Philologen nur wenig Leute gegeben habenkann, denen die griechische Natursage bekannt gewesen ist, hat diese dochschon damals eine Erweiterung erfahren gehabt, die auch angab, für wie-viel seiner jetzigen Lebenszeit der Mensch Tieren verpflichtet ist. DieseBearbeitung scheint in Spanien geschehen zu sein, und ihre erste Versionglaubte Reinhold Köhler in einem in dem elegischen Versmaß abgefaßtenlateinischen Poem des seinerzeit viel gelesenen Jayme Juan Falco ausValencia( 1522-1594) gefunden zu haben, betitelt De partibus vitae.3)Wir sind nicht dieser Meinung, sondern möchten lieber annehmen, daß eseine ältere Fassung gegeben habe, die im Wesentlichen einer Erzählungentspricht, die sich in Mateo Alemans berühmtem Schelmenroman Aven-turas y vida de Guzman de Alfarache und zwar in der 1605 erschienenenII. Parte vorfindet; 4) ihr Inhalt ist so:
Vor dem Menschen hat Juppiter die meisten Tiere erschaffen, dar-unter auch den Esel, und der beginnt, kaum daß er die schöne Welt er-blickt hat, in heller Lust herumzutollen; als er aber dann müde gewordenist, fängt er zu spintisieren an, was für einen Sinn eigentlich dieses Lebenhaben solle, und so geht er zu Juppiter, um ihn zu fragen, warum oderwozu er ihn erschaffen habe. Da erfährt er, sein Lebenszweck werde sein,dem Menschen zu dienen, und Juppiter führt auch im einzelnen an, wasalles von ihm erwartet werde. Schon von dem Anhören all dieser Mühsalund Beschwernis bekommt er Schwielen und Striemen, und als er dannauf eine weitere Frage die Antwort erhält, sein Leben solle dreißig Jahrewähren, bittet er, ihm davon zwanzig nachzulassen: die restlichen zehnwolle er dem Menschen als braver Esel( como asno de bien) in Treue undGutmütigkeit dienen, und Juppiter entspricht diesem Wunsche. Dann er-scheint der Hund, der das Gespräch zwischen dem Esel und dem Gottebelauscht hat; auch er entsetzt sich, daß die Leiden, die ihm zugemutet
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ihm vorlages ist die der hier sofort zu erwähnenden Ausgabe weit besser als dieder von Nevelet besorgten Edition war( Lachmann- Muncker, XVI, 140, nº 104); waswir rügen müssen, ist, daß die Tiere bei Nevelet nicht in das Haus des Menschenschlechthin, sondern in das eines Menschen kommen( siç avdoóлov Tivoç oixíav): daswiderspricht dem Charakter der Natursage, die selbstverständlich immer nur die Gat-tung und nie ein Individuum kennt.
1) S. die vorhergehende Anmerkung und Lessing, XI, 371 n., XVI, 116 n.2) S. Halm, nº 173, Chambry, nº 140, Babrios( ed. O. Crusius), nº 74; vgl. weiterAug. Hausrath, Achiqar und Aesop( Heidelberger Sitzber., 1918, II), 35, nº 13 undW. Wienert, Die Typen der griechisch- römischen Fabel( FF Comm., nº 56), 1925, 29 f.
und 127.
3) Jahrbuch für Litteraturgeschichte, I( 1865), 196 f., abgedruckt in R. KöhlersKleinern Schriften, I, 1898, 42 f.
4) L. I, c. 3; Bibliot. de aut. españ.3, III, 1876, 270 f.