UND IHRE DARSTELLUNG IN DER KRIEGSHILFEAUSSTELLUNG VON 1915DER ROTE FADEN DER VERTREIBUNG: ÖSTERREICH UNGARNS FLÜCHTLINGE IM ERSTEN WELTKRIEG
Flüchtlingslager Gmünd geschrieben hatte, die ausgestelltenSpitzenvorhänge, Deckchen und Pölster, die junge Mädchenaus Görz im Lager in Wagna bei Leibnitz in der Steiermarkgestickt hatten, oder die Puppen in Nationaltracht, die diejungen Frauen in den Werkstätten der„ Wohlfahrtsinstitutionender Frau Anitta Müller für Flüchtlinge aus Galizien und derBukowina" in Wien hergestellt hatten, allesamt Belege für dieBemühungen des Staates, seine am stärksten gefährdetenKinder zu retten, indem er sicherstellte, dass sie fern ihrerDörfer Unterricht und eine Berufsausbildung erhielten. 15
Die liberale Neue Freie Presse bediente sich in ihremBericht über die Ausstellung einer ähnlich bevormundendenSprache und beschrieb die Hilfsmaßnahmen als„ ein sorgfäl-tig ausgedachtes System von Entlohnung" durch das„ diearmen, vorübergehend Heimatlosen nicht bloß vom Staateuntergebracht und erhalten, für die geistige Ausbildung derKinder gesorgt, sondern auch die hohe kulturelle Mission erfülltwerde, daß dieselben in ihre alte Heimat mit einer Erweiterungihres Gesichtskreises, ihrer Bildung und der Steigerung ihrerErwerbsfähigkeit zurückkehren". 16 Das Innenministeriumhatte die Ausstellung bewusst so gestaltet, dass der beider-seitige Nutzen für die Flüchtlinge und den Staat hervorge-hoben wurde. Es bediente sich der Journalisten, um seineMission der Zivilisierung der Flüchtlinge zu propagieren. 17 Vorder Ausstellung hatte das Innenministerium Pressevertretereingeladen, das Lager in Gmünd zu besichtigen. 18 Die Jour-nalisten hatten zudem auf Erkundungsmissionen ihrer Zei-tungen andere Flüchtlingslager besucht und agierten danachals Sprachrohr der Flüchtlinge, waren jedoch in WahrheitSprachrohre der staatlichen Stellen. Sie unterstützten dasUnterfangen, diese Opfer des Krieges nicht nur zu retten,
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Die Puppen erwiesen sich in Wien als besonders beliebt: Eine weitere Ausstellung amStubenring mit dem Titel„ Die Kunst der Nadel" stellte Dutzende weitere zur Schau, unddie Besucher wurden aufgefordert, sie als Weihnachtsgeschenke zu kaufen, wobei derErlös an die Werkstätten floss. Siehe Wiener Bilder, 19. Dezember 1915, S. 10-12.Neue Freie Presse, 15. Dezember 1915, S. 6-7.
Niederösterreichisches Landesarchiv, Sign. P, XII, 6,913/ 1915, Brief desInnenministeriums an die k.k. Statthalterei in Wien, 26. Oktober 1915.Siehe den Bericht in der Arbeiter- Zeitung, 22. September 1915, S. 5-7.
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