Seuchen grassierten und die Kindersterblichkeit war ungeheuerhoch.62
Die Lager dienten nicht nur der Überwachung, sondernhatten auch„ pädagogisch- erzieherische“ Funktion. Aus un-gesitteten, kulturell niedrigstehenden, leseunkundigen, nicht-deutschsprachigen, ökonomisch rückständigen Slawen undItalienern sollten patriotische Österreicher oder noch besserDeutsche gemacht werden, wie es Walter Mentzel63 zusam-menfasste.„ Zum kulturellen Erziehungsprogramm[...] zähltenHygienetrainings und militärische Übungen, das Modell derArbeitswerkstätten, der Schulunterricht und das ausgeklügelteSystem der Bestrafungs- und Disziplinierungsmaßnahmen." 64„ Kulturarbeit“ wurde die Zwangsarbeit der Flüchtlinge in„ Be-schäftigungsanstalten“ genannt, wo kriegswichtige Produkteauch in Form von Hausindustrie erzeugt wurden.
In Gmünd gab es Handarbeits- und Nähkurse, wo die ein-gangs erwähnten wunderschönen Stickereien von Rutheninnenhergestellt wurden.65 In der Kriegshilfe- Ausstellung von 1915,die im folgenden Artikel analysiert wird, dienten sie, nach Dis-trikten auf Kartons geklebt, der Propaganda des Innenmi-nisteriums, das von den Lagern genauso ein idyllisches Bildzeichnete wie die Ethnographen von Galizien- die Realitätsah hier wie dort anders aus.
62 ebd., S. 8, 57, 148 u. 290-292.
63 ebd., S. 331.
64
ebd., S. 332.
65
ebd., S. 384-387.
28
ZUM ERSTEN WELTKRIEG IM SPIEGEL VON VOLKSKUNSTFORSCHUNG UND NATIONALISMUSMUSTERUNGEN- TEXTILE VOLKSKUNST DER RUTHENEN" GALIZIENS BIS