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Stick- und Knüpfmuster ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg : aus der Sammlung des Volkskundemuseums Wien ; [Katalog zur Ausstellung ... im Österreichischen Museum für Volkskunde in Zusammenarbeit mit der University of Western Sydney, Australien ; 30. April bis 2. November 2014]
Entstehung
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MUSTERUNGEN

TEXTILE VOLKSKUNST DER RUTHENEN" GALIZIENS BISZUM ERSTEN WELTKRIEG IM SPIEGEL VON VOLKSKUNSTFORSCHUNG UND NATIONALISMUS

Stoffen Wäsche und Kleidungsstücke selbst nähen.49 Dennochvermerkt er weiter unten, dass sich einzelne Familien in jedemDorf auf bestimmte Verfahren oder Handwerke spezialisierthätten und auch für die Nachbarn arbeiteten. Es gebe darü-ber hinaus etliche Kleingewerbe mit Angestellten, vor allemdie Webereien im Westen, die fabriksmäßig arbeiteten. Beiden Stickmustern vor allem der Hemden sieht er deutlichen

orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Einfluss, den er durch Verschleppungen undVersklavungen der Ruthenen in den Osten und ihre glücklicheRückkehr erklärt. Allerdings betont er: Die Producte unsererHausindustrie tragen noch das alte traditionelle und nationaleGepräge und sind innig verbunden mit der Tracht unsererländlichen Bevölkerung, die aus uralter Zeit stammt und fürunser Klima und unsere Beschäftigung so passend ist[...]."Trotzdem teilt er die aufgezählten Produktgruppen in Erzeug-nisse ohne allen örtlichen oder traditionellen Charakters" und Erzeugnisse, die nach alter Tradition für und in der Gegenderzeugt werden, wobei nur diese Gruppe das Originelle undTypische" zeige. Bei der Herstellung der Teppiche, der Kilim-weberei, vermerkt er bedauernd: Leider geschieht es sehroft hier, sowie in anderen Zweigen der Hausindustrie und desKleingewerbes, dass der Kunde das bäuerliche traditionelleMuster verschmäht und ein Muster nach irgend einer modernen,zu dem Gegenstande ganz unpassenden Zeichnung angibt."Ähnliches schreibt er über die Stickmuster: Aber auch diesemZweige unserer Hausindustrie droht der Verlust seiner origi-nellen Muster und der Harmonie der Farben durch Anwendungneuer, ganz unpassender Stickmuster und der Anilinfarben."Auch hier wird also unter dem Vorgefundenen selektiert undgewertet, und nicht ins Bild Passendes als unecht und unty-pisch" ausgeblendet.

Das politisch motivierte Ziel des Kronprinzenwerks wares, durch die schematische Beschreibungsart, die Betonung

49 vgl. dazu Wolfgang Brückner: Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die besteBauerntracht". Zu Herkunft und Ideologie eines vielzitierten Slogans. In: BayrischeBlätter für Volkskunde, Jg. 13, 1986, S. 76-93.

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