ZUM ERSTEN WELTKRIEG IM SPIEGEL VON VOLKSKUNSTFORSCHUNG UND NATIONALISMUSMUSTERUNGEN- TEXTILE VOLKSKUNST DER RUTHENEN" GALIZIENS BIS
von„ halbwilden Naturmenschen“. Die„ von der Cultur vielfachnoch wenig beleckte Bauernbevölkerung“ habe die Ornamenteüber Generationen ohne Änderungen tradiert. Im übernächstenSatz widerlegt Heger selbst seine Aussage, ohne dies zu be-merken, indem er schreibt:„ Die Liebhaber des Kunstgewerbesund die in den letzten Jahrzehnten zu so rascher Blüthe ge-langten Kunstgewerbeschulen haben dem Ornament allerdingsihre besondere Aufmerksamkeit zugewendet, jedoch immernur mit dem Endzweck, dadurch das einheimische Kunstge-werbe zu veredeln und demselben neue Motive zuzuführen." 36Hier spricht Heger den hohen Stellenwert der Gewerbeför-derung, mit der die Regierung die Produktion von Gütern aufdem Land ankurbeln wollte, für die Entdeckung und eben auchErfindung von Volkskunst an.37 Unter den Erzeugnissen derLandbevölkerung wurden ausgewählte Vorlagenmuster gesam-melt, so im 1864 eröffneten Museum für Kunst und Industrie,dem heutigen Museum für Angewandte Kunst in Wien, oder indiversen Institutionen der Kronländer. 38 Die diesen Sammlun-gen angeschlossenen Lehranstalten hatten die Aufgabe, dieProdukte in jeder Hinsicht, auch ästhetisch, zu verbessern. Diesführte zu Veränderungen in der Produktion und nicht zuletztin der Gestaltung dieser Güter.39
Auch der Inhalt des zweiten Pavillons der Landesausstel-lung in Krakau, der speziell diese Waren der Hausindustriepräsentieren sollte, war nicht direkt von Produzenten bestückt,sondern wurde von einer anderen Ausstellung, die 1887 inTarnopol stattgefunden hatte, übernommen. Begeistert äußertsich Heger vor allem zu den Gegenständen der Huzulen, die ervon den Ruthenen unterscheidet, was die Beliebigkeit solcherZuordnungen unterstreicht. Das Vorhaben der Ausstellungs-kommission, nur Objekte zu zeigen, die sich von denjenigender Nachbarschaft und den entfernteren Gegenden unterschei-den", steht in Widerspruch zu ihrer Zielsetzung, nämlich„ das
36 ebd., S. 192.
37
Deneke, wie Anm. 25, S. 19-21.
38
Grieshofer, wie Anm. 32, S. 19.
39
Deneke, wie Anm. 29, S. 30.
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