der Urzeit waren zunächst allgemein menschlich gedacht,wurden aber sehr bald ein willkommenes Projektionsfeld fürnationale Einheitsvorstellungen, für Vorstellungen von kul-turellen Gemeinsamkeiten innerhalb einer Nation.25
Nachdem die immaterielle Kultur„ des Volkes" wie Sprich-wörter, Lieder oder Bräuche im 18. Jahrhundert von der Wis-senschaft entdeckt worden war, 26 rückte im 19. Jahrhundertverstärkt die materielle Kultur ins Blickfeld, die sich in weitererFolge besser zur Verwendung als äußere nationale Zeicheneignete.
Ein wichtiger Impuls dafür ging von den Weltausstellungenaus, die die Produkte von„ Hausfleiß und Hausindustrie" 27 nichtnur als Wirtschaftsfaktor der Öffentlichkeit bewusst machten,sondern auch als einen nationalen Wert, 28 nämlich als„ Volks-kunst" 29
Auf der Weltausstellung 1867 in Paris sollten erstmals,, landestypische Bauten" errichtet werden, wobei sich Öster-reich unter anderem mit einem Bauernhaus aus Galizienpräsentierte.30 Für die Wiener Weltausstellung 1873 wurde dannim Prater ein„ internationales Dorf" gebaut, wo von den neuntatsächlich errichteten Bauernhäusern sieben das Habsburger-reich vertraten, darunter wieder ein galizisches. 31 Dieser Um-stand zeigt deutlich, dass anders als die Nationalstaaten, der„ Vielvölkerstaat" nicht auf eine einheitliche Nationalkultursetzte, die auch gar nicht weiter präsentiert werden musste,sondern das Motto von der„ Einheit in der Vielfalt" ausstellte.
ZUM ERSTEN WELTKRIEG IM SPIEGEL VON VOLKSKUNSTFORSCHUNG UND NATIONALISMUSMUSTERUNGEN TEXTILE VOLKSKUNST DER RUTHENEN" GALIZIENS BIS
25
25
26
Bernward Deneke: Volkskunst und nationale Identität 1870-1914. In: HerbertNikitsch u. Bernhard Tschofen( Hg.): Volkskunst. Referate der ÖsterreichischenVolkskundetagung 1995 in Wien(= Buchreihe der Österreichischen Zeitschriftfür Volkskunde, N.S., 14). Wien 1997, S. 13-38, hier: S. 17.
Johann Gottfried Herder, die Brüder Grimm und andere Romantiker begaben sich aufdie Suche nach der„ Volksseele", also der Wesensart eines Volkes.( Bausinger, wie Anm.17, S. 30-35).
27 Alois Riegl: Volkskunst, Hausfleiß und Hausindustrie. Berlin 1894.
23
28 Martin Wörner: Bauernhaus und Nationalpavillon. Die architektonischeSelbstdarstellung Österreich- Ungarns auf den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts.In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, XLVIII/ 97, 1994, S. 395-424, hier S. 395.29 Zu Begriff, Entstehungsgeschichte und Bedeutung von Volkskunst siehe u.a. BernwardDeneke: Europäische Volkskunst(= Propyläen Kunstgeschichte, Supplementband).Frankfurt/ M- Berlin- Wien 1985, S. 15).
330
31
Wörner, wie Anm. 28, S. 403 u. 405.
ebd., S. 406.
16