Zahlen( Bevölkerungsverteilung, Bodenbeschaffenheit, Land-wirtschaft und Industrie etc.), und das bringt ihn in eine Liniemit der Statistik bzw. Kameralistik, die in Österreich seit dem18. Jahrhundert bemüht war, die Lebensweise der Bevölkerungzu erheben, um Wirtschaftsleistung und Warenproduktion,aber durchaus auch Lebensverhältnisse zu verbessern. 17 Weiterserzählt Szujski vom„ Volksleben“, von den„ Stämmen“ derPolen und Ruthenen und von ihrem„ Volkscharakter❝18, wobeier im Gegensatz zu den übrigen Ausführungen- unvermeid-lich unpräzise, oberflächlich und ahistorisch bleibt. In seinenBetrachtungen zur„ Gesellschaft des Kronlandes" vermerkt erderen Wandel in den letzten Jahrzehnten und stellt abschließendbedauernd fest:„ So schwindet aus dem Leben der österreichi-schen Nordostprovinz allmählich das Urwüchsige und Alther-gebrachte, um dem allgemein Europäischen Platz zu lassen." 19Das Verschwinden der„ Nationaltracht" aus dem Alltag, diezur„ Festtracht" wird, nennt er als ein Beispiel.
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Józef Szujski und sein Buch sind in vielerlei Hinsicht exem-plarisch: Er gehörte als Politiker, Dichter und Historiker20 derbürgerlichen Bildungsschicht an. Er empfand den überaus raschenWandel aller Lebensbereiche, den die Industrialisierung im19. Jahrhundert mit sich brachte, als bedrohlich. Er machte inder bäuerlichen Lebensweise Elemente der Dauerhaftigkeitaus, die nun gefährdet schienen, jedoch ohne beides durchQuellen zu belegen. Er sah in diesen Elementen- und nicht inder tatsächlichen Lebensweise der Landbevölkerung – Kenn-zeichen einer nationalen Kultur, die aus diesen und anderenausgewählten Merkmalen( wie Sprache oder Geschichte) erst
ZUM ERSTEN WELTKRIEG IM SPIEGEL VON VOLKSKUNSTFORSCHUNG UND NATIONALISMUSMUSTERUNGEN TEXTILE VOLKSKUNST DER, RUTHENEN" GALIZIENS BIS
17 Kameralistik und Statistik als eine der ersten Bemühungen zur Erforschung des Volkesfinden sich in den Facheinführungen, so bei Ingeborg Weber- Kellermann u. AndreasC. Bimmer: Einführung in die Volkskunde/ Europäische Ethnologie( Sammlung Metzler,Realien zur Literatur, 79). Stuttgart 19852, S. 7-16, oder Hermann Bausinger: Von derAltertumsforschung zur Kulturanalyse(= Untersuchungen des Ludwig- Uhland- Institutsder Universität Tübingen. Sonderband). Darmstadt 19872, S. 28-30. Vgl. auch KonradKöstlin: Ethnographie als ästhetischer Kitt. In: Jurij Fikfak u. Reinhard Johler( Hg.):Ethnographie in Serie. Zur Produktion und Rezeption der„ österreichisch- ungarischenMonarchie in Wort und Bild"(= Veröffentlichungen des Instituts für EuropäischeEthnologie der Universität Wien, 28). Wien 2008, S. 193-194.
18
vgl. Johler, wie Anm. 6.
19
Szujski, wie Anm. 16, S. 124.
20
Schindler, wie Anm. 15, S. 482.
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