höchstens in Abgrenzung zu den unmittelbaren Nachbarn.6So gab es in den Karpatenregionen eine Personengruppe,die von anderen als„ Huzulen“( vom Rumänischen„ hocul“,Räuber) beschimpft wurde, sich selbst aber„ Christen“,„ Gebirgs-bewohner" oder„ Ruthenen" nannte, eine weitere, die sich als„ Gebirgsbewohner" sah, aber bei den anderen Gruppen als„ Boiken“ bekannt war oder eine Gruppe, die sich als„, Ruthenen"bezeichnete, aber bei den anderen( angeblich wegen einerSpracheigenart)„ Lembken" hieß.8
Unter den Intellektuellen der Städte und allgemein imBürgertum' setzte sich auch in Galizien im Laufe des 19. Jahr-hunderts die Idee einer Nation fest. 10 Im April 1848 wurde ineiner Petition an den Kaiser die Anerkennung der Ruthenen alsNation und ihre Gleichberechtigung neben den Polen in Galizienerbeten. Der kurz darauf unter kirchlicher Führung gegründete„ Oberste Ruthenische Rat" verkündete in einem Manifest, dassdie galizischen Ruthenen„ ein Teil der gesamtruthenischenNation" seien und träumte von einem„ selbständigen ruthe-nischen Kronland aus Ostgalizien, der Nordbukowina undden ungarischen karpatenruthenischen Gebieten“. 11 Ab denfünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts kam es unter den poli-tisch engagierten Ruthenen und unter den Gelehrten zu unter-schiedlichen Auffassungen davon, was denn nun eigentlichdiese ruthenische Nation ausmache. Neben der Herleitungund Festlegung einer gemeinsamen Geschichte als Nation,einer gemeinsamen Abstammung also( Stichwort: Kiewer Rus)ist die Bestimmung einer einheitlichen Hochsprache, nebender es dann verschiedene Dialekte gibt, maßgebend für die
ZUM ERSTEN WELTKRIEG IM SPIEGEL VON VOLKSKUNSTFORSCHUNG UND NATIONALISMUS
MUSTERUNGEN TEXTILE VOLKSKUNST DER RUTHENEN" GALIZIENS BIS
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Reinhard Johler: Konstrukte: Nationalismus, Regionalismen und Volkskultur- Zum
Beitrag der Volkskunde. In: Bericht über den 19. österreichischen Historikertag in Grazin der Zeit vom 18. bis 23. Mai 1992. Wien 1993, S. 313-319, hier: 313.
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Dies nach Raimund Friedrich Kaindl: Die Huzulen. Ihr Leben, ihre Sitten und ihreVolksüberlieferung. Wien 1894, S. 3.
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Bonkáló, wie Anm. 4, S. 60-84.
In Galizien arbeiteten 94 Prozent der Ruthenen in der Landwirtschaft( Bihl, wie Anm. 1, S. 563).
10 Zum Begriff der Nation bzw. des Nationalismus siehe u.a. Eric J. Hobsbawm: Nationenund Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780. Frankfurt a. M.- New York 1991;Benedict Anderson: Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines erfolgreichenKonzepts. Frankfurt a.M.- New York 1996².
11 Bihl, wie Anm. 1, S. 556-557.
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