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Kleine Anzeigen zur Volkskunde
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Otto Weinreich

E. Schott, Das Wiesel in Sprache und Volksglauben der Ro-manen. Diss. Tübingen 1935, Göbel. 71 S. und 3 sprachgeogr. Karten.

Unter Berücksichtigung auch antiker Beispiele( mustela als gutes Omen,Galinthias- Mythos) stellt die Verfasserin die Rolle des Wiesels im Aberglaubendar: das Wiesel als Freund des Menschen, als böses Omen, im Krankheits-zauber und Fruchtbarkeitsglauben, Wiesel als Braut und als Seelenepiphanie.Schutzmaßnahmen erfolgen durch Beschwörung, Namensverbot oder Tabunamen.Im Anhang wird u. a. auch das Wiesel als Wetterprophet behandelt.

G. Schreiber, Wallfahrt und Volkstum in Geschichte undLeben, unter Mitwirkung von R. Kriß, J. P. Steffes, J. Vincke, E. Wohlhaupter,F. Zoepfl.( Forschungen zur Volkskunde, Heft 16/17.) Düsseldorf 1934, Schwann.XVI, 297 S.

In der bedeutsamsten Abhandlung zeichnet Schreiber den Struktur-wandel der Wallfahrt, hauptsächlich im deutschen Raum, aber auch die aus-landsdeutschen Verhältnisse berücksichtigend. Kirchliche Bedingtheiten, Ein-fluß kulturgeschichtlicher Perioden und geistesgeschichtlicher Strömungen, volks-kundliche Voraussetzungen im deutschen Süden, alles wird umfassend gesehenund sicher gezeichnet. Besonders dankenswert auch die Berücksichtigung derWallfahrt als eines Themas der deutschen Dichtkunst. Steffes' religions-phänomenologische Betrachtung der Wallfahrten zieht namentlich Indien undAntike heran. Wohlhaupter behandelt Wallfahrt und Recht, Vincke,Zoepfl, Kriẞ besprechen kleinere Sondergebiete. Alles in allem eine wert-volle Festgabe für J. Meier und methodisch wichtig, weil sich zeigt, daß volks-kundliche Arbeit um so wertvoller ist, je weiter sie geschichtlich ihren Rahmenspannt.[ Lehrreiches Material aus Trier liefert ergänzend J. Hau, Hess. Bl. f.Volksk. 33( 1934) 161 f.]

A. Spamer, Die Volkskunde als Wissenschaft. Stuttgart 1933, Kohl-hammer. 46 S.

Erweiterte Festrede, mit Anmerkungen. Ziel und Methode der Volkskunde,Verhältnis zu anderen Wissenschaftsgebieten, Rasse oder Sprache als Volkstumbestimmendes Merkmal( wichtig S. 9), Notwendigkeit der Völkervergleichung( S. 11 f.), Einbeziehung der Realien, nicht identisch mit Altertumskunde, son-dern: Volkskunde ist Gegenwartswissenschaft, wobei Gegenwart begriffen wirdals Mischung ältester Kraftströmungen und jüngster Formgebungen( S. 27 ff.mit lehrreichen Beispielen). Man folgt allenthalben mit Freude diesen klaren,warmherzigen Sätzen. Vgl. dazu jetzt auch Spamers großes Werk, o. S. 345 ff.

J. W. Spargo, Virgil the Necromancer. Studies in Virgilian Legends( Harvard Studies in Comparative Literature, vol. X). Cambridge USA., HarvardUniversity Press 1934. XII, 502 S. mit zahlreichen Abb. auf 26 Tafeln.

Ein vortreffliches, u. a. auch von Archer Taylor und A. H. Krappe geför-dertes Werk, das über Comparettis Kapitel vom Zauberer Virgil beträchtlichhinausführt und ebensosehr ein Beitrag zum mittelalterlichen Volksglauben wiezur vergleichenden Sagen- und Literaturgeschichte ist. Die bekannten, durchJohannes von Salisbury, Neckam, Gervasius von Tilbury, Vincentius von Beau-vais, Enikel u. a. verbreiteten Stoffe vom Talisman- Verfertiger Virgil( eherneFliege, Ei im Castel del ovo), von der Zauberkraft seiner Gebeine, vom Lieb-haber und Feuerzauberer im Korb, von der Bocca della verità u. a. werdenaufs genaueste quellenmäßig und volkskundlich interpretierend untersucht, die