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Alters-Sinnbilder und Alters-Wettstreit
Entstehung
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ALBERT WESSELSKI

wie die, die eine ix- beliebige Zahl von Jahren nennt, überall hat entstehenkönnen, so daß es zwecklos wäre, für all die vielen Varianten nach einergemeinsamen Quelle zu suchen, wie es denn auch niemand einfallen wird,dies bei sprichwörtlichen Redensarten zu tun, wie ,, Vieux comme cesrues" ,,, Vieux comme le pont de Rouen" ,,, As old as Paul's" oder, As oldas Paul's steeple". Anders könnte es bei den Versen der andern Gattung zustehn scheinen, die aus den Erfahrungen der Vergänglichkeit, des stetigenWechsels alles Irdischen, wie sie schon der Einzelne in seinem kurzenLeben gewinnt, auch für Zeiträume, an die das übliche Maß der Jahrenicht angelegt werden kann, ein Symbol zu schaffen trachten, ja die esgeradezu versuchen, aus dieser Vergänglichkeit, aus diesem Wechsel einMaß für das Ungeheuere abzuleiten. Daß jemand die Eichel vor der Eichegesehen hat, ist noch nichts Besondres, und Merlin, der überdies auch dasVergehen der Eiche beobachtet hat, verblaẞt völlig vor dem Tiroler Nörgl,das einen Berg sechsmal oder gar neunmal als Wiese und als Wald ge-sehen hat. Mit noch viel gewaltigern Zeiträumen aber als die Sage arbeitetdas Märchen: in einem schwedischen Märchen kommt der Held nach-einander zu drei Schwestern, deren jüngste an dem Orte, wo sie haust,zwölf Eichenwälder hat wachsen und faulen sehn, während es bei derältesten achtundvierzig Wälder sind, die sie überlebt hat¹). Sollen nun allediese Wälder, von deren Entstehen und Vergehen ein uraltes Wesen Zeugewar, in Abhängigkeit voneinander vergangen und entstanden sein? DieseFrage wird wohl niemand durchaus und für alle Fälle bejahen wollen, aberjedermann wird sich jenes Tiers in dem Roman von Kilwch und Olwenerinnern, dessen Alterssinnbild wir noch nicht erörtert haben, nämlichder Eule von Kwm Kawlwyt, die den dritten Wald erlebte, als KönigsArthurs Gesandte zu ihr gekommen sind.

Der Verfasser dieses Romans hat, wie wir gesehn haben, einenUrheberanspruch vielleicht auf den Amboẞ der Amsel, vielleicht auch nochauf den Adler, der die Sterne anpickt, keineswegs aber auch auf dieAlterssymbole, die durch die Verringerung der Größe des Amboẞ auf dieeiner Nuẞ und der Höhe des Felsens auf die einer Spanne gegeben sind;hier liegt der Ursprung, der beiden gemeinsam ist, auf der Hand, undebenso verhält es sich wohl mit den Sinnbildern, deren Träger die Euleund der Hirsch sind: der Hirsch hat einen Baum aus einem Schöẞlingerwachsen und dann zugrunde gehen sehn, und die Eule ist daran, das,was der Hirsch an einem einzelnen Baum erlebt hat, zum dritten Male aneinem Walde zu erleben. Der dritte Wald aber, den sie sieht, ist nichtsandres als eine räumliche und zeitliche Steigerung von Merlins Erlebnismit der Eichel und der Eiche, das bei dem Hirsche, der den Baum erst aus

1) G. O. Hyltén- Cavallius und G. Stephens, Schwedische Volkssagen und Märchen,1848, 183 f.; in dem folgenden Märchen sind die Schwestern dreihundert, sechshundertund neunhundert Winter alt.