Zusatz E. Mehl: Das ,, Wandlaufen" wurde auch in den alten Voltigier-schulen des 17. und 18. Jahrhunderts geübt. Einen Wandlauf, bei dem derLäufer mit einem Fuß einen auf einer Degenspitze hoch gehaltenen Hutherunterschlagen muß, bildet Alexander Doyle,„ Chur- Maynthischer Hof-und Universitäts- Fecht- und Voltagier- Meister" in seiner„ Kurtzen unddeutlichen Auslegung der„ Voltagier- Kunst"( Nürnberg und Frankfurt 1719)auf Bild 64 ab: Ein Mann steht vor einer Ziegelwand und hält mit derrechten Hand einen Degen schräghoch in der Nähe der Wand. Auf derDegenspitze hängt in Kopfhöhe ein großer Federhut. Der Wandläufer istmit dem rechten Fuß gegen die Wand gesprungen( etwa kniehoch) lehntsich weit zurück und schlägt mit der linken Fußspitze den Hut von derDegenspitze.( Er wird sich weiter nach rechts drehen und, mit der Vorder-seite zum Boden gewendet, wieder aufspringen. Die Zeichnung ist zeich-nerisch gut, aber in der Bewegung schlecht. Der Springer liegt fast gleich-laufend zur Wand und würde unweigerlich abrutschen und auf den Rückenfallen.) Darüber steht:„ Wie man wider die Wand lauffet einen Hut mitdem Fuß vom Stock herunter zu werffen." Auch die Gaukler zeigten dasWandlaufen mit schwierigen Sprüngen. Das Buch Archange Tuccaros ,, Troisdialogues de sauter et voltiger en l'air"( Paris, 1599) gibt uns davon einegute Vorstellung. Ein Brett wird steil schräg an eine Wand gestellt. Eindahinter hockender Mann hält es fest. Der Springer läuft mit einem oderzwei Schritten auf das Brett hinauf und überschlägt sich rückwärts in denStand oder macht mit Aufgreifen an der Wand mit dem Schwung desHinauflaufens ein Rad.
Abbildungen und Besprechung bei E. Mehl„ Das älteste Werk über dasBodenturnen in den„ Leibesübungen"( Berlin, 1928, Heft 2). Diese vonTuccaro beschriebenen und abgebildeten Übungen vom schrägen Brett ent-sprechen genau dem„, Wandlaufen" an der schrägen Fläche bei Bruegel, nurist dieses natürlich ins Kindliche übertragen.
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Weiter nach hinten auf der Straße neben dem Hause wälzen sich zweieinander prügelnde Jungen auf der Erde herum. Eine Frau versucht demKampf ein Ende zu machen, indem sie die zwei von einem naheliegendenFenster mit Wasser begießt.
Hoffmann von Fallersleben bespricht in seinen Bemerkungen über dasholländische Gedicht„ Beghinsel" aus dem vierzehnten Jahrhundert dasWort„ worstelen" wie folgt:„ Ringen, zwei rangen miteinander, bis einerzu Boden fiel oder unterlag was wohl nur bei Kirmessen oder sonstigenAnlässen üblich, wenn die jungen Burschen verschiedener Dorfgemeindenihre Kräfte zeigen wollten 490)." Das bezieht sich auf Ringen und es istanzunehmen, daß Bruegels Jungen einige Ringer, die sie auf einem Jahr-markt oder„ Kirmesse" gesehen haben, nachahmen. Noch wahrscheinlicherist es, daß sie irgendeine Meinungsverschiedenheit auskämpfen oder fest-stellen wollen, wer der stärkere ist.
Schultz sagt:„ Schlägereien werden unter den Knaben wohl auch einHauptvergnügen ausgemacht haben." 491) Er zitiert eine lateinische Chronik:,, accidit ut in ludo, qui vocatur puerorum, cui ipse( Wicmannus canonicus)intererat, puer quidam conculcatus moreretur." In diesem Kampf, wie esscheint, ging es um Leben und Tod, aber im allgemeinen war das Raufen
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